Wildling Shoes: Von 100.000 € Crowdfunding zu 500.000 Paar Schuhen im Jahr (#174)
Shownotes
Katia Lübbert ist Co-Founderin und CMO von Memovida, einem modernen Bestattungsunternehmen aus Berlin-Prenzlauer Berg. Nach über 20 Jahren Brand Marketing für US-Konzerne wie PayPal und Coca-Cola ist sie Ende 2024 zu Manuel Kaiser gestoßen, der Memovida Anfang 2024 ohne Bestatter-Background gegründet hatte.
Memovida bietet Bestattungen bundesweit zum Festpreis an, transparent und online buchbar – eine Feuerbestattung kostet in Berlin 2.150 Euro inkl. aller Behördengänge. Heute sind sie elf Leute mit sechs Standorten, machen knapp 100 Fälle pro Monat und sind seit September 2025 profitabel, mit Ausreißern nach unten, weil Sterbewellen schwer planbar sind. Wir sprechen über den Quereinstieg aus dem Konzern, das Standortmodell vom Co-Working-Space zum Ladenlokal, SEO als 99-Prozent-Akquisekanal und warum Standesämter teilweise immer noch ein Fax wollen.
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Transkript anzeigen
Andy: Hallo und herzlich willkommen zu Folge 174 von Happy Bootstrapping.
Andy: In der heutigen Folge spreche ich mit der Anna Jona von Wildling Schoes.
Andy: Und das ist eine total beeindruckende Reise, die Sie und Ihr Familienunternehmen hinter sich haben.
Andy: Denn anfangs ging es los mit der ersten Idee, Crowdfunding, Privatkredit,
Andy: Bis heute 500.000 Paar verkaufte Schuhe im Jahr.
Andy: Total beeindruckend mit vielen Höhen, aber auch Tiefen. Und auch darüber haben
Andy: wir gesprochen, weil das hat mich auch berührt und beeindruckt.
Andy: Wildling hat diverse Preise auch gewonnen, den Deutschen Nachhaltigkeitspreis,
Andy: German Design Award und, und, und.
Andy: Da haben wir jetzt nicht so genau darüber gesprochen, weil wir hätten,
Andy: glaube ich, zwei Stunden oder drei Stunden quatschen können.
Andy: Und über Wildling gibt es auch eine Dokumentation im ZDF, die habe ich dir in
Andy: den Shownotes verlinkt.
Andy: Bevor es jetzt aber direkt losgeht, noch kurzer Hinweis in eigener Sache.
Andy: In der letzten Woche war ich bei dem Hannes Zwetschke auf dem Community Day
Andy: in Augsburg und durfte dort in einem Vortrag zum Thema Kein Budget,
Andy: aber geile Ideen ein bisschen was zu meinen Learnings aus 170 Podcast-Folgen beitragen.
Andy: Hat mir viel Spaß gemacht.
Andy: Die Kim von den Digitallotsen hat einen Feedback-Blog-Beitrag geschrieben.
Andy: Den habe ich dir auch verlinkt, dass du mal einen Eindruck hast,
Andy: was dort alles passiert ist.
Andy: Nächstes Jahr gibt es den Community Day wieder. Aber falls ich bei dir auf einer
Andy: Veranstaltung einen Vortrag halten soll oder dich das Thema generell interessiert,
Andy: schreib mir gerne eine kurze Mail an hallo-at-happy-bootswapping.de.
Andy: Auch wenn du Vorschläge für neue Gäste hast, auch gerne per Mail oder über das
Andy: Kontaktformular auf der Website.
Andy: So, und jetzt geht es direkt los mit der Folge mit Anna und mir. Ganz viel Spaß.
Andy: Hallo Anna und herzlich willkommen bei Happy Bootstrapping.
Julia: Hallo André, danke dir für die Einladung.
Andy: Es freut mich vor allem, dass du zugesagt hast. Ich ist ja jetzt mal wieder
Andy: ein größerer Gast für mich sozusagen von der Firmengröße, Umsätze, Mitarbeitende.
Andy: Für die, die mich nicht kennen und dein Produkt kannst du mal in deinen eigenen
Andy: Worten erklären, was es genau ist.
Andy: Und wo bist du gerade? Das wäre ganz interessant.
Julia: Drei Fragen auf einmal. Auf einmal, ja.
Andy: Hervorragend.
Julia: Genau, womit fange ich an. Ich bin Anna. Ich habe vor zehn Jahren,
Julia: elf Jahren mit meinem Mann zusammen das Unternehmen Wildling gegründet.
Julia: Wir machen Schuhe, die so wenig Schuh sind wie möglich, also wirklich ein ganz
Julia: minimalistisches Design, damit man wieder mehr ins Fühlen kommt.
Julia: Genau, wir haben das damals für unsere Kinder entwickelt, die sehr viel barfuß
Julia: gelaufen sind in ihren ersten Lebensjahren und wir wollten, dass sie genauso
Julia: weiterlaufen können und dann ist aus dieser Idee ein Unternehmen geworden,
Julia: das viel größer geworden ist, als wir uns das eigentlich gedacht hatten.
Julia: Und ich sitze in der Nähe von Köln im Oberbergischen, da ist auch der Hauptsitz
Julia: vom Unternehmen, genau, der Rest ist remote.
Andy: Ja, das ist super spannend. Habe ich auf jeden Fall ein extra Kapitel, wie das da bei dir läuft.
Andy: Wie groß ist Wildling? Damit wir uns das ein bisschen vorstellen können,
Andy: wie viele Schuhe habt ihr schon verkauft? Wie viele Mitarbeitende seid ihr?
Andy: Kannst du dazu ein bisschen was zur Einordnung erklären?
Julia: Ja, also wir sind heute circa 80 Mitarbeitende, etwas weniger in FTE,
Julia: weil wir auch einige Teilzeitkräfte haben und wir verkaufen so grob eine halbe
Julia: Million Paar Schuhe im Jahr.
Andy: Das ist ja schon recht ordentlich und aber nicht mehr nur für Kinder.
Andy: Das ist so hat es angefangen, dass so Barfuß oder so Schuhe für Kinder eben,
Andy: mit dem habt ihr angefangen, aber heute verkaufen wahrscheinlich sogar mehr
Andy: Erwachsenen Schuhe, oder?
Julia: Richtig, genau. Also wir sind mittlerweile, machen wir von Größe 18,
Julia: das sind so die ersten Schrittchen bis Größe 48.
Julia: Wir haben die ganze Familie dabei, alle Menschen und ja, es ist hauptsächlich
Julia: für Erwachsene mittlerweile.
Andy: Naja, Wahnsinn. Das ist super interessant auf jeden Fall.
Andy: Wie seid ihr damals, also du hast ja glaube ich, du hast in Tel Aviv studiert,
Andy: wenn ich es richtig recherchiert habe, hast als Übersetzerin und Journalistin gearbeitet.
Andy: Wie bist du von da, also wie seid ihr zusammen auf die Idee gekommen,
Andy: eigene Schuhe zu gründen?
Andy: Du hast ja ein bisschen was schon angesprochen, aber waren es denn die Kinder
Andy: oder wie kommt man auf die Idee?
Julia: Genau, also du hast schon richtig am richtigen Ort angefangen.
Julia: Ich habe in Tel Aviv studiert.
Julia: Ich habe dann meinen Mann dort auch kennengelernt, bin insgesamt dann zwölf
Julia: Jahre in Israel gewesen und unsere Kinder sind dort auch geboren und sind,
Julia: also mein Mann ist Sporttherapeut von seiner beruflichen Ausbildung her,
Julia: hat sich immer sehr interessiert für Mobilität.
Julia: Wie geht man? Wie läuft man eigentlich richtig?
Julia: Wann hat man keine Schmerzen beim Laufen? Wann hat man Schmerzen beim Laufen und weshalb?
Julia: Er hat auch sehr darauf gepusht, dass die Kinder eben barfuß aufwachsen.
Julia: Ich fand das super spannend. Da wäre ich nicht drauf gekommen,
Julia: weil ich hätte, glaube ich, auch Angst gehabt als Mutter davor,
Julia: dass sie sich verletzen können. Und ich fand es dann super spannend zu sehen,
Julia: wie viel Sicherheit denen das gegeben hat.
Julia: Also wie sicher sich ein Mensch bewegt, wenn er wirklich mit den Füßen direkt
Julia: am Boden ist und dieses Feedback auch bekommt.
Julia: Und wie einfach und wie leicht dann auch so ein Gang abläuft.
Julia: Und genau, wir sind dann 2013 nach Deutschland gezogen als Familie und brauchten
Julia: hier halt, als der Winter kam, brauchten die Kinder Schuhe. So fing es an.
Julia: Das, was wir dann kaufen konnten, wollten die Kinder so nicht tragen.
Julia: Es war auch sehr schnell klar, dass es auch, also es war wirklich ganz offensichtlich,
Julia: hat das keinen Sinn gemacht.
Julia: So, wir haben sich ganz anders bewegt, sind viel mehr gestolpert,
Julia: sind hingefallen, hatten keinen Bock drauf.
Julia: Und dann haben wir sehr naiv gesagt, okay, dann machen wir halt einen besseren
Julia: Schuh und haben uns alle möglichen Schuhe geschnappt und geschaut,
Julia: was daran eigentlich zu viel ist.
Julia: Also was daran eigentlich, was in so einem Schuh alles drin ist,
Julia: was man gar nicht braucht und was das Gangbild verändert, was den Kontakt zum
Julia: Boden stört, was Muskeln unterstützt und sie damit eben schwächt.
Julia: Was auch an Formgebung da ist, den Fuß gar nicht braucht, also an Form,
Julia: die auch nicht natürlich ist, und haben dann unser eigenes Konzept entwickelt.
Andy: Und dann hast du einen Prototypen genäht, oder wie fängt man mit sowas an?
Andy: Ich bin da gar nicht in dem Game drin, deswegen die Frage, wie ging das los?
Julia: Also es gab einmal natürlich den ganzen Weg hin zu, wie gründet man eigentlich
Julia: ein Unternehmen, Wie macht man das? Wie schreibt man einen Businessplan?
Julia: Wen braucht man eigentlich dafür? Welche rechtlichen Schritte sind dafür leider nötig in Deutschland?
Julia: Oder bürokratischen Schritte. Wo bekommt man Geld her, auch um so eine Gründung zu finanzieren?
Julia: Und parallel dazu lief die ganze Zeit das Thema, wie kriegt man denn jetzt auch
Julia: das Produkt, was man gerne haben möchte und was man sich im Kopf schon so gut vorstellen kann.
Julia: Wir haben gesagt, es soll sich eigentlich anfühlen wie ein Handschuh für die Füße.
Julia: Und wie kommt man jetzt dahin? Was sind die richtigen Materialien?
Julia: Was kann ein richtiges Design sein?
Julia: Wer kann einem dabei helfen? Das waren so zwei parallele Herausforderungen.
Julia: An das eine sind wir rangegangen, also wir haben tatsächlich sehr klassisch
Julia: einen Businessplan geschrieben, auch mit Unterstützung.
Julia: Wir haben bei so Wettbewerben mitgemacht, hier in Köln gab es einen vom NUK.
Julia: Das war sehr spannend, es war eine coole Unterstützung zu der Zeit.
Julia: Und sind dann damit ganz klassisch zur Hausbank gegangen und haben um einen
Julia: Gründerkredit gebeten, den wir dann tatsächlich, glaube ich,
Julia: von der zweiten oder dritten Bank auch bekommen haben.
Julia: Und das andere war sehr, sehr schwierig, weil ein Schuh wirklich ein sehr komplexes
Julia: Produkt ist, weil wir beide wirklich gar keine Ahnung hatten,
Julia: also nicht mal von Textil, aber schon gar nicht vom Schuhemachen.
Julia: Ich weiß noch, dass ich hier nebenan gibt es einen Schuhladen und das ist ein
Julia: alter Schuhmachermeister, der den Laden führt.
Julia: Und ich bin da rein und habe gesagt, kannst du mir vielleicht helfen?
Julia: Ich muss mal wissen, wo ich anfangen muss. Da hat er gesagt,
Julia: hast du denn schon ein Leisten?
Julia: Und Leisten ist so dieses Herzstücke, dieses, ne, oft aus Holz hergestellt.
Julia: So, das gibt dem Schuh seine Form. Und ich wusste nicht mehr,
Julia: was ein Leisten war. Da hat er mich so ein bisschen achkantig wieder rausgeschmissen
Julia: und gesagt, so, erst mal meine Hausaufgaben machen, dann kann ich noch mal wiederkommen.
Julia: Genau, aber wir haben dann auch da, also wir haben einen Workshop gewonnen in
Julia: Pirmasens, in der alten Schuhhauptstadt von Deutschland. Also auseinandergesetzt
Julia: mit Macharten, haben jede Menge Schuhe auseinandergeschnitten.
Julia: Auch dabei lernt man erstaunlich viel über das Handwerk.
Julia: Haben natürlich Menschen gefunden, die schon Experten und Expertinnen auf dem Gebiet waren.
Julia: Also haben einen ganz tollen Designer gefunden online, mit dem wir dann das
Julia: Design entwickelt haben.
Julia: Und wir sind dann in Portugal an Fabriken gekommen, die mit uns die Prototypen entwickelt haben.
Andy: Und jetzt hast du denn das mit dem Privatkredit, hast du kurz übersprungen,
Andy: aber ich glaube, da ist die Summe ist auch public, das kann ich mir jetzt heute gar nicht vorstellen.
Andy: Also ihr seid zu den Banken gegangen mit einem Businessplan und dann hat es
Andy: gereicht, um einen sechsstelligen Kredit zu bekommen. Also musst du da Sicherheiten abgeben.
Andy: Kannst du uns ein bisschen erklären, wie sowas funktioniert?
Julia: Also es gibt diese Gründerkredite, die sind in der Regel, gibt es Sicherheiten
Julia: von der KfW-Bank für die Hausbank, also sind schon geförderte Kredite.
Julia: Dadurch ist die Hausbank quasi 80 Prozent risikofrei.
Julia: Das heißt, sollte das irgendwie in die Hose gehen, dann birgt die KfW-Bank theoretisch
Julia: oder ist zumindest damit drin. Es ist aber in erster Linie erstmal ein privater Kredit.
Julia: Also man bekommt das als Gründer, als Gründerin persönlich, privat.
Julia: Das ist auch kein Kredit für das Unternehmen, sondern wirklich für die Person.
Julia: Was natürlich auch ein gewisses Risiko auch ist dann in so einer Gründungsphase.
Andy: Ja, mit junger Familie auch noch.
Julia: Richtig, genau. Und man bekommt einen Kredit in Höhe von bis zu 100.000 Euro. Also so war es damals.
Julia: Es kann sein, dass sich dabei etwas geändert hat. Damals hieß es das Startgeld, ERP-Startgeld.
Julia: Auch da ändern sich immer mal wieder die Namen, aber in der Regel gibt es solche Produkte immer.
Julia: Und genau, man muss halt die Hausbank davon überzeugen.
Julia: Und es gibt dann eben eine Summe von bis zu 100.000 Euro pro Person, pro Gründungsperson.
Julia: Und wir haben damals 150.000 Euro angefragt und auch bekommen.
Julia: Und das ist dann erstmal ein Kredit, den man privat abbezahlt.
Julia: Wir haben ihn dann irgendwann an die Firma übertragen, also quasi uns über die
Julia: Firma davon freigekauft.
Julia: Und das war auch so ein Moment, wo ich gedacht habe, so okay, jetzt ist gut.
Julia: Und wenn es nicht funktioniert, wir haben zu zweit gegründet als Eltern,
Julia: wir hatten drei kleine Kinder.
Julia: Und ich habe dann schon auch gedacht, okay, wenn es nicht funktioniert,
Julia: dann wenigstens keine Schulden haben. Das war das erste Ziel.
Andy: Und dann habt ihr das Geld gebraucht, hauptsächlich damit ihr euch Zeit selber erkaufen konntet?
Andy: Oder ging es dann auch schon drauf, Rototypen produzieren zu lassen,
Andy: Dinge zu recherchieren? Also war das erstmal euer eigenes Gehalt oder habt ihr
Andy: noch was anderes gearbeitet und gehaltbezogen und das Geld dann genutzt,
Andy: Prototypen, Forschung und solche Sachen zu machen?
Julia: Also wir haben uns tatsächlich arbeitslos gemeldet, als wir hier hingezogen sind.
Julia: Das war im Nachgang, also ich fand das eine ganz schwierige Zeit.
Julia: Also ich fand das sehr schwierig, irgendwie damit umzugehen und auch da immer
Julia: wieder vorsprechen zu müssen, immer wieder unseren Plan verteidigen zu müssen.
Julia: Also ich fand das keine sehr angenehme Zeit auf der Ebene, aber es hat uns eben
Julia: den Fokus gegeben, den wir gebraucht haben. Also insofern war das eine sehr
Julia: richtige Entscheidung zu sagen, wir möchten gründen.
Julia: Wir sind auch zum Arbeitsamt gegangen mit dieser Gründungsidee,
Julia: hatten gesagt, wir möchten das machen, unterstützt ihr uns quasi auf die ersten Meter.
Julia: Und das war insofern auch wichtig, weil wir eben also mit drei kleinen Kindern
Julia: und dann beide noch irgendwie was anderes arbeiten und dann daneben gründen.
Julia: Ich glaube, dann hätte es auch nicht gut funktioniert. Also wir nehmen uns jetzt auch die Zeit.
Julia: Wir leben jetzt erstmal sehr bescheiden und wir stecken eben alles in diese
Julia: Firma. Das war schon sehr wichtig.
Julia: Insofern konnten wir diesen Gründungskredit auch komplett für Produktentwicklung,
Julia: für Vorbereitung von der Crowdfunding-Kampagne, Logo, Website.
Julia: Also es muss ja viel auch erstmal entstehen.
Julia: Besonders teuer sind im Schuhbereich dann die, also in dem Moment, wo es an die Formen geht.
Julia: Die Formen zum Beispiel für die Außensohlen, da hat bei uns eine Größe schon
Julia: fast 3000 Euro gekostet.
Julia: Und wir sind ja dann durch Kinder und Erwachsene, wie es dann auf einmal aussah,
Julia: auch schnell in einen relativ hohen fünfstelligen Bereich gekommen für diese
Julia: Anfangsinvestitionen.
Julia: Deswegen hatten wir auch noch die Crowdfunding-Kampagne, um das überhaupt möglich
Julia: zu machen. Also damit hatten wir so ein bisschen alle vorbereitenden Aufgaben
Julia: plus eben diese Anfangsinvestitionen in die Produktentwicklung haben wir dann über beides abgedeckt.
Andy: Bevor wir gleich über die Crowdfunding-Kampagne sprechen, du, ja, denkst du,
Andy: Der Druck, der hat es dann auch bewirkt, dass es so funktioniert hat.
Andy: Also du hast ja jetzt gesagt, ihr müsst euch da drauf konzentrieren und du hast den Kredit im Nacken.
Andy: Dadurch musste es klappen sozusagen, weil wenn ihr jetzt nebenher gearbeitet
Andy: hättet, dann wäre vielleicht, manche Dinge hätten vielleicht länger gedauert
Andy: oder gar nicht funktioniert. Oder man braucht ja wahrscheinlich auch irgendwie
Andy: einen Druck, damit man so ein Ziel erreicht und einen Businessplan.
Andy: Da wird ja auch drin gestanden sein, bis dahin wollen wir die Schuhe am Start
Andy: haben, verkaufen können und so weiter. Also hat das geholfen?
Julia: Absolut. Also ich fand das sehr schlau im Nachgang, dass es keinen Plan B gegeben hat. Sehr wichtig.
Julia: Ich glaube, also so von unserer Art und Weise, wie wir da herangegangen sind,
Julia: wir hatten ja vorher auch schon ein kleines Unternehmen in Israel,
Julia: wir hatten ein eigenes Fitnessstudio.
Julia: Also wir sind auch einfach umgezogen aus Tel Aviv weg, weil wir unbedingt auf
Julia: dem Land leben wollten und haben dann alles abgebrochen in Tel Aviv.
Julia: Also wir haben immer so ein bisschen so Hauruck-Entscheidungen und dann alles auf eine Karte gesetzt.
Julia: Ich glaube, das ist auch ein bisschen ein Persönlichkeitsding.
Julia: Aber ich glaube, so ticken wir auch beide. So dieses alles auf eine Karte und
Julia: das muss dann auch klappen.
Julia: Das weiß man in dem Moment, aber es ist auch, also ich glaube,
Julia: viel wichtiger als das war die Begeisterung. Wir wollten das halt auch unbedingt so.
Julia: Wir hatten da unglaublichen Spaß dran. Also auch diese Anfangsphase der Gründung war...
Julia: Spannend und einfach eine tolle Zeit. Natürlich ist da irgendwo der Druck,
Julia: aber ich glaube, da sind wir auch beide so gestrickt, dass uns das dann nicht
Julia: nachts unbedingt wach hält, sondern es ist eher die Lust und die Freude und
Julia: die Neugier und die Motivation, die uns dann da auch diesen Hyperfokus gegeben haben.
Andy: Wie lief es zeittechnisch dann ab? Ihr habt jetzt dann eine Crowdfunding-Kampagne
Andy: gemacht, aber ihr habt, glaube ich, davor schon angefangen, euch so ein bisschen
Andy: eine Community aufzubauen an ersten Kunden oder auch ersten Crowdfundern sozusagen.
Andy: Wie genau habt ihr das gemacht? Wie bewusst war das als Strategie?
Julia: Das war ein ganz wichtiger Punkt tatsächlich. Also wir haben Ende 2013 angefangen,
Julia: den Businessplan zu schreiben.
Julia: Das lief dann so über ein Jahr insgesamt inklusive Kredit von der Bank.
Julia: Und wir haben in dieser Zeit, also genau, dann war es nochmal ein halbes Jahr,
Julia: bis wir die Crowdfunding-Kampagne gestartet haben.
Julia: Also so von erster Idee bis zur Crowdfunding-Kampagne mit unserem ersten funktionellen
Julia: Prototyp waren anderthalb Jahre.
Julia: Und wir haben das relativ bald von Anfang an begleitet. Also damals war unser
Julia: Medium war Facebook. So alt ist das Ganze schon.
Julia: Da konnte man auch noch alle möglichen Menschen erreichen. Also wenn die gesagt
Julia: haben, ja, finde ich interessant, dann haben die halt auch unseren Content bekommen.
Julia: Das war noch eine sehr schöne Zeit.
Julia: Und genau und ich habe extrem viel auch genetzwerkt über Facebook,
Julia: also ich war sehr viel in Communities, in Gruppen und so weiter unterwegs,
Julia: das heißt es war irgendwie auch natürlich, dass wir dann so unsere eigene Community
Julia: aufgebaut haben, auch gar nicht so sehr bewusst, gesteuert auf irgendetwas hin
Julia: aber wirklich Menschen einfach von Anfang an auf diese Reise mitgenommen und
Julia: ich war in Netzwerken unterwegs wo eigentlich auch immer,
Julia: direkt Kundinnen waren, also ich war viel in so, ne, Montpreneur diese ganzen
Julia: Mutter unselbstständig.
Julia: Das waren tolle Gruppen, um da eben Ideen feedbacken zu lassen,
Julia: Menschen schon mal zu begeistern. Und viele von denen sind uns dann auch gefolgt.
Julia: Und ich war auch sonst, also ich war extrem viel unterwegs in der Zeit, um Menschen zu treffen.
Julia: Und dann hatten wir halt auf Facebook, war das wie so ein Pool,
Julia: weißt du, wo du sagen konntest, hey, wenn es dich interessiert hier,
Julia: folg uns doch einfach hier.
Julia: Und damit sind wir quasi, als wenn die Crowdfunding-Kampagne gestartet sind,
Julia: Und gab es schon einen Pool von, ich weiß nicht, waren es damals tausend Leute oder so,
Julia: die schon Bock hatten oder das Ganze schon spannend fanden und schon gefolgt
Julia: waren, eine ganze Zeit lang irgendwie die ganze Entwicklung spannend fanden.
Julia: Und die dann eben auch sehr schnell Unterstützer und Kundinnen geworden sind.
Julia: Also ich rede immer vom Female, weil das waren wirklich vor allen Dingen Frauen.
Andy: Wie viel habt ihr damals dann über die Kampagne eingesammelt?
Julia: Also die Kampagne selber, das waren 75.000 Euro. Unser Ziel waren 12.500,
Julia: haben wir noch irgendwie gedacht, schaffen wir das?
Julia: Genau, das hatten wir dann in 24 Stunden tatsächlich schon erreicht,
Julia: eben auch durch diesen Aufbau einer Community, eines Netzwerks vorab.
Julia: Das heißt, als wir gestartet sind, war das nicht so in einen leeren Wald reinrufen
Julia: und erstmal alle zusammentrommeln, sondern die waren alle schon am Start.
Julia: Dann hatten wir in dieser Kampagne auch immer solche, also wir haben dann Stretch
Julia: Goals, also neue Ziele uns genommen,
Julia: gesteckt genau, waren zum Beispiel andere Größen, größere Größen kamen dann
Julia: sehr schnell in den Fokus, kleinere Größen.
Julia: Also das war ein sehr, sehr spannender, da können wir vielleicht auch gleich
Julia: nochmal drüber sprechen, wie wertvoll diese Kampagne eigentlich für uns und
Julia: für den späteren Erfolg gewesen ist.
Julia: Aber genau, es waren 75.000 in der Kampagne und wir haben dann noch einen Vorverkauf
Julia: laufen lassen, bis wir Anfang des Jahres die Website freigeschaltet haben und
Julia: darüber sind dann auch nochmal so 30.000, also insgesamt hatten wir so 100.000
Julia: über Crowdfunding und Vorverkauf.
Andy: Und sind die Schuhe dann durch das Kapital zum EK produziert worden?
Andy: Also habt ihr damit schon ein bisschen was verdient oder ist es schon Null auf
Andy: Null ausgegangen erst mal?
Julia: Wir haben damit auf jeden Fall schon was verdient und konnten vor allen Dingen,
Julia: also was ja immer so schwierig ist, am Anfang im D2C-Bereich,
Julia: wenn du Produkte verkaufst, also so Consumer Goods, du musst das ja vorfinanzieren.
Julia: Also du musst ja quasi in die erste Produktion erstmal Geld reinstecken.
Julia: Bevor das Geld bei dir wieder ankommt.
Julia: Und das war total cool, weil wir da von Anfang an fast in so eine Art Vorverkaufsrhythmus
Julia: reingerutscht sind, auch durch die Kampagne.
Julia: Das heißt, unsere erste Charge ist komplett vorfinanziert worden durch die Crowdfunding-Kampagne
Julia: und wir hatten dann eben auch noch genug Ware, um damit den Webshop zu bestücken.
Julia: Da haben wir dann zwar gedacht, dass es ein bisschen länger hält,
Julia: es war dann relativ schnell weg.
Julia: Wir mussten dann immer in so einen Nachproduktionsrhythmus, aber genau,
Julia: das hat uns auf jeden Fall diese Startschwierigkeit genommen,
Julia: dass man erstmal eben Geld in eine Produktion stecken muss, bevor man loslaufen kann.
Andy: Ah ja, super. Also dann hat es sich so gelohnt, es so rumzumachen und zuerst
Andy: mit Crowdfunding zu starten, die Community aufzubauen.
Andy: Ich verstehe, dann hast du schon deine ersten KundInnen gehabt,
Andy: die es wahrscheinlich auch weiterempfohlen haben dann, wenn es für die gepasst hat.
Andy: Hat mit der ersten Produktion dann alles geklappt? Du hast ja auch erzählt,
Andy: ihr produziert in Portugal.
Andy: Ist das noch der gleiche Produzent, den ihr damals hattet?
Julia: Es ist nicht die gleiche Fabrik, die wir damals hatten. Da sind wir dann irgendwann
Julia: umgezogen zu einer anderen Fabrik, was auch nicht einfach war,
Julia: weil die uns schon natürlich geholfen haben, überhaupt zu starten.
Julia: Wir sind mit denen auch bis heute noch in Kontakt.
Julia: Aber die, ja, also tatsächlich war die erste Produktion, also man hat ja dann
Julia: irgendwie ein Ziel, man weiß, ob man die Sachen haben möchte.
Julia: Dann ist man aber auch ein sehr kleiner Fisch. Dann ist irgendwie Stress in
Julia: der Fabrik, dann kommt irgendwas anderes rein, dann wird man nach hinten geschoben
Julia: und so fing das bei uns dann eben auch an.
Julia: Die Schuhe waren eben nicht im September oder Oktober da, wie wir versprochen
Julia: hatten, sondern kamen dann im Dezember, kamen die ersten Paare an.
Julia: Und wir hatten zum Schluss noch ein Material mit einnähen lassen,
Julia: was so ein bisschen Wasserschutz noch geben sollte zusätzlich.
Julia: Und genau, dann kamen die Schuhe an und wir hatten einen funktionierenden Prototyp.
Julia: Wir hatten die Größe 33, das war unsere Testgröße.
Julia: Das war genau die Größe von unserer ältesten Tochter.
Julia: Die musste alle Prototypen testen und als sie dann irgendwie Daumen hoch gemacht
Julia: hat und gesagt hat, okay, das ist super und wir auch sehen konnten,
Julia: sie bewegt sich jetzt genauso, wie wir uns das vorgestellt hatten,
Julia: genauso wie ohne Schuhe oder fast genauso.
Julia: Da haben wir gesagt, okay, wir sind fertig, wir gehen jetzt in die Produktion.
Julia: Das war die, genau, unsere wirklich wissenschaftlich getestete Grundlage.
Julia: Dann haben wir Größen skaliert, wir haben weitere Größen dazu genommen.
Julia: Also jedes Mal, wenn du, also auch im Textilbereich, wenn du andere Größen dazu
Julia: nimmst, das ändert sich ja alles. Also du kannst ja nicht einfach nur den Schuh
Julia: länger machen, der muss ja auch breiter werden etc.
Julia: Also das war schon ganz schön gewagt.
Julia: Genau, dann kamen die Schuhe an, wir hatten die selber noch nie angehabt.
Julia: Also wir wussten auch gar nicht, weißt du, so, wie ist das denn jetzt irgendwie?
Julia: Und wie fühlt sich das dann überhaupt an?
Julia: Funktioniert das? Also große Bauchschmerzen natürlich auch.
Julia: Du hast ein Gespräch mit meinem Papa geführt oder meiner Schwester und die waren alle so,
Julia: Ja, ja, also ob das mal klappt, so ihr habt überhaupt keine Ahnung,
Julia: jetzt kommen hier irgendwie die Produkte an und wir waren irgendwie so sehr
Julia: skeptisch, wir dann irgendwie selber auch.
Julia: Und dann haben wir die ersten 500 Paar rausgeschickt und die Leute waren total begeistert.
Julia: Also das war wirklich so ein Moment von, also erstmal waren,
Julia: die großen Größen waren irgendwie falsch skaliert, dann mussten wir noch so
Julia: ein Tauschsystem irgendwie einführen, dass die Leute alle ihre Größen hin und
Julia: her tauschen konnten, aber das war dann auch okay.
Julia: Und dann alle waren total begeistert. Das war also wirklich große Erleichterung.
Julia: Und dann kam ein paar Tage Regen.
Julia: Und dann habe ich meine E-Mail morgens aufgemacht, meine Inbox.
Julia: Und dann irgendwie nur so ganz komische Betreffzeilen gesehen und gedacht,
Julia: scheiße, was ist das denn jetzt?
Julia: Die E-Mails aufgemacht. Und dann waren da Bilder von, also die Schuhe waren
Julia: eigentlich grau, die waren aber total blau von außen, sowieso gebartigt.
Julia: Die Socken waren blau, die Füße waren blau, die Haut war blau.
Julia: Es ging auch gar nicht mehr ab.
Julia: Also dieses Material, was wir da zum Schluss noch hatten, einnähen lassen, das hat halt,
Julia: krass abgefärbt, also es ist nass geworden, also wirklich wie so,
Julia: als hättest du da Tinte reingekippt, also jetzt gar nicht so,
Julia: wie man das vielleicht von Schuhen auch mal kennt, kann ja auch mal ein bisschen
Julia: Farbe abgehen, von Lederschuhen kennt man das ja schon vor allen Dingen,
Julia: also es war wirklich krass.
Julia: Und da war dann so ein Moment, wo wir gedacht haben, okay, so davon erholen wir uns nicht mehr.
Julia: Und es hat aber, also, dank irgendwie, glaube ich, auch einer sehr offenen Kommunikation
Julia: und weil die Leute eben, die waren ja Teil dieser Gap, so, die waren ja,
Julia: also die waren ja weiter investiert als in, ich hab jetzt hier ein Produkt gekauft,
Julia: was nicht funktioniert.
Julia: Das heißt, die haben uns da komplett durch diese Krise durchgetragen.
Julia: Also kein Geld zurückgefordert, uns irgendwie die Chance gegeben,
Julia: weiterzumachen. Das war richtig cool.
Andy: Habt ihr dann allen ein Austauschmodell geschickt dann im Nachgang,
Andy: wo der Fehler korrigiert war sozusagen?
Julia: Ja, also wir haben denen natürlich die Option geboten, einmal das wieder zurückzugeben,
Julia: ihr Geld zurückzubekommen.
Julia: Also musst du eigentlich im Crowdfunding nicht machen, aber dann haben wir gedacht,
Julia: ja, kann es ja alles, geht ja gar nicht.
Julia: Natürlich müssen wir das anbieten. Wir konnten dann zum Glück,
Julia: also die Dadurch, dass es so in so Chargen die Sachen nur angekommen ist,
Julia: konnten wir die zweite Charge schon irgendwie stoppen und korrigieren.
Julia: Und dann haben wir den Leuten angeboten, also sie konnten dann entweder...
Julia: Auf ein korrigiertes Paar warten,
Julia: also quasi ihr es jetzt nicht abrufen, sondern dann ein bisschen länger warten
Julia: und dann eins bekommen ohne den Defekt,
Julia: oder eben einen Gutschein bekommen für das nächste Paar, aber auch 30 Prozent,
Julia: also wir haben immer 30 Prozent off, also das war so, und genau,
Julia: also letztendlich, ich glaube, drei Menschen haben das Geld wieder zurückgefordert,
Julia: aber auch mit so ganz herzzerreißenden Erklärungen wie, ja, und meine Katze
Julia: ist jetzt gerade beim Tier, also ich brauche irgendein Geld und keine Ahnung was.
Julia: Die anderen haben entweder die Schuhe behalten und dann eben diesen 30% Gutschein
Julia: auf ein zweites Paar sich geholt oder eben auf ein korrigiertes Paar gewartet.
Julia: Und wir haben sogar alle von diesen defekten Paaren zu 30% Rabatt auch alle noch abverkauft.
Julia: Also sehr klar deklariert, was das Problem ist. Und wir hatten ja auch gute
Julia: Fotos, um das zu belegen, was da passiert.
Julia: Und trotzdem haben wir die alle verkauft. Das war schon krass.
Andy: Dieses Thema Barfußschuhe oder Minimalschuhe, also ist ja recht neu,
Andy: jetzt sage ich mal, oder zumindest als ihr gestartet seid, war das glaube ich
Andy: noch eine komplette Nische.
Andy: Ich habe es zumindest damals nicht nirgends gesehen.
Andy: Habt ihr den Markt dann mit aufgebaut sozusagen?
Andy: Also hast du am Anfang, habt ihr euch das vorgestellt, dass ihr mal eine halbe
Andy: Million Schuhe im Jahr dann verkauft und dass man so einen Trend oder einen
Andy: Markt auch erschaffen kann für ein neues Produkt?
Julia: Nee, ganz und gar nicht. Also wir hatten den Plan, das stand auch in meinem
Julia: Businessplan, den ich der Bank
Julia: so verkauft habe, stand 200 Paar Schuhe pro Monat wollen wir verkaufen.
Julia: Das war das Ziel, auch so für in drei Jahren oder so.
Julia: Und davon hätten wir als Familie so gerade eben leben können.
Julia: Also sehr bescheiden, aber wir hätten davon gerade leben können.
Julia: Und ja, also das war das, womit wir vielleicht, also was wir uns zugetraut haben,
Julia: so wo wir gedacht haben, okay, das können wir schon schaffen,
Julia: wenn wir uns richtig ansteigen, dann kriegen wir das ja.
Andy: Wann hast du dann gemerkt, dass es ja doch kein Nischenprodukt ist?
Andy: Also diese 200 Paar Shure, die hast du ja dann teilweise pro Tag verkauft jetzt.
Andy: Wahrscheinlich auch mal mehr, je nachdem, wenn er irgendeine Aktion macht.
Andy: Wann hast du gemerkt, dass da mehr ist? Also war das schon dann während der
Andy: Crowdfunding-Kampagne und
Andy: dem Feedback und gab es ja bestimmt auch Presseartikel und so weiter dazu.
Andy: Oder wann hast du gemerkt, dass es dann eine richtige Firma ist sozusagen? sagen.
Julia: Also ich finde, man ist ja super lang in so einer Gründungsphase wie in so einem
Julia: Luftschloss unterwegs.
Julia: Also du erzählst allen von etwas, von dem, was du selber noch nicht in der Hand
Julia: hast, was du selber noch nicht weißt, was funktioniert.
Julia: Man ist immer sehr begeistert so, also ich war sehr begeistert von der Idee,
Julia: aber hatte natürlich auch irgendwo so im Hinterkopf so dieses okay,
Julia: wir müssen es aber auch erstmal schaffen.
Julia: Und ich habe schon eine Weile gebraucht aus diesem wir verkaufen jetzt hier
Julia: nicht mehr nur noch irgendeine Idee,
Julia: sondern wir machen das ja tatsächlich Also da irgendwie raus aus diesem Gefühl
Julia: und auch immer aus diesem Gefühl so,
Julia: irgendwas kann noch total schief gehen und dann war es ja auch erst mal genau
Julia: so nach der ersten Auslieferung und das hat eine Weile gedauert,
Julia: bis ich so das Gefühl hatte, so okay,
Julia: ich glaube, das ist jetzt doch ein bisschen belastbar, funktioniert hier was
Julia: und das hört nicht morgen auf und das war nicht nur irgendwie,
Julia: weißt du, glücklicher Zufall, sondern wir haben hier was, was wirklich Sinn macht.
Julia: Und genau das, also was so dieses Gefühl dann irgendwann, also das waren natürlich
Julia: einmal natürlich die wirtschaftlichen Zahlen, dass du denkst, das ist total verrückt.
Julia: Also wenn du schreibst so einen Businessplan und der geht ja dann so eine Prognose
Julia: über zehn Jahre und über zehn Jahre stehen dann irgendwann Millionen mit drin,
Julia: wo du denkst, absurd, never ever.
Julia: Genau. Und so, also das ist dann, dass du dann irgendwann denkst,
Julia: ja, ey, zwick mich, aber das passiert wirklich.
Julia: Und natürlich Rückmeldungen von Kundschaft, wo du dann denkst,
Julia: okay, also das waren eigentlich die Sachen, die uns noch mehr auch daran haben
Julia: festhalten lassen, dieses, wir verändern hier gerade was, wir verändern was für die Menschen.
Julia: Und letztendlich haben wir auch, also wir haben ja ganz, ganz lange gar keine
Julia: Werbung gemacht, weil wir einfach durch Weiterempfehlungen gewachsen sind,
Julia: weil die Menschen so begeistert waren, dass sie dann gesagt haben,
Julia: hey, hier, hab hier was entdeckt, musst du unbedingt aufprobieren.
Andy: Wahnsinn. Wann habt ihr die, also die erste Million Jahresumsatz,
Andy: ist die dann im zweiten Jahr schon gefallen sozusagen?
Andy: Also ist ja auch wahrscheinlich nochmal eine krasse Zahl.
Andy: Also hast du da, also war das dann so im zweiten Jahr schon?
Andy: Und kannst du irgendwie so sagen, ist das über die Jahre linear gewachsen?
Andy: Oder gab es irgendeinen Moment, wo ihr, ich weiß nicht, noch mal irgendwo einen
Andy: Fernsehbericht hattet oder irgendwas passiert ist, wo das Wachstum an Licht linear war?
Julia: Also das ist auch so ein bisschen typisch für uns. Also wir waren wirklich gar
Julia: nicht kennzahlengetrieben, also auch wirklich überhaupt nicht Umsatzzahlengetrieben.
Julia: Es war wirklich immer sehr, wie kriegen wir das Produkt noch besser?
Julia: Also das, was uns irgendwie schlaflose Nächte bereitet hat, waren irgendwelche
Julia: Qualitätsprobleme oder irgendwas, was noch nicht so läuft, wie es irgendwie
Julia: laufen soll. Wo das Erlebnis für die Kundschaft nicht genau das ist,
Julia: was wir uns gewünscht hatten.
Julia: Oder wir brauchen zu lange, um irgendwie hier Customer Service zu antworten.
Julia: Oder wir brauchen zu lange, um die Pakete zu versenden.
Julia: Also so, das waren die Dinge, die wir umgetrieben haben. Das wollten wir irgendwie perfektionieren.
Julia: Und tatsächlich ist es irgendwann durch Zufall. Ich glaube, wir haben irgendwie,
Julia: wir sind relativ früh zu Shopify gewechselt als Webshop-Anbieter.
Julia: Da waren die noch gar nicht wirklich in Europa etabliert. Es war auch einigermaßen
Julia: schwierig, das irgendwie so anzupassen, dass hinterher sowas wie die Steuersätze
Julia: in Europa korrekt angezeigt werden.
Julia: Und wir haben irgendwann eine, ich weiß nicht, ob es eine Glückwunsch-E-Mail,
Julia: nee, genau, wir mussten Shopify, also man muss ja dann so einen Teilbetrag zahlen
Julia: an Shopify, der sich an den Umsätzen orientiert.
Julia: Und dann waren wir irgendwie so, was, was soll das denn für eine Rechnung sein,
Julia: das kann ja überhaupt nicht sein, viel zu viel Geld, sind ja total frech.
Julia: Und dann haben wir geguckt und gedacht, oh scheiße, guck mal,
Julia: wie viel Geld wir eingenommen haben.
Julia: Also es war eher so, es war so sehr, sehr zufällig.
Julia: Es war nicht, ey, wir haben die erste Million im Blick und wann schaffen wir
Julia: das? Und das dann so sehr hin und dann fliegen hier irgendwie,
Julia: knallen die Sektkorken.
Julia: Also das hat uns irgendwie nie, das hat uns nie angetrieben.
Julia: Ich glaube, deswegen war es
Julia: eigentlich umso verrückter, dass sich das Unternehmen so entwickelt hat.
Julia: Es waren keine großen Fernsehberichte oder irgendwas, es war wirklich Weiterempfehlung
Julia: von Kundschaft zu Kundschaft.
Julia: Jedes Paar, das wir rausgeschickt haben, hat ein, zwei Neukunftskunden gebracht.
Julia: Das heißt, wir sind wirklich exponentiell gewachsen am Anfang,
Julia: teilweise uns von einem Jahr aufs nächste verdreifacht, was einfach bei uns
Julia: einen irrsinnigen Hassel hinter den Kulissen hervorgebracht hat mit Ops,
Julia: also einfach hier alles am Laufen halten,
Julia: Nachproduktion organisieren, genügend Ware vorfinanzieren dann für die nächste
Julia: Saison. Das war dann auch immer ein schnelles Thema.
Julia: Da haben wir dann auch nochmal einmal einen Bankkredit aufgenommen.
Andy: War dann kein Problem wahrscheinlich jetzt dann zu dem Zeitpunkt.
Andy: Als du das das zweite Mal gebraucht hast?
Julia: Ne, das war sehr easy.
Andy: Wahrscheinlich habt ihr ja da eine Menge Aufmerksamkeit da auch bekommen.
Andy: Haben sich irgendwelche größeren Schulproduzenten mal gemeldet?
Andy: Wollten die in euch investieren, übernehmen? War das jemals ein Thema?
Andy: Habt ihr da Anfragen bekommen und die einfach alle abgelehnt, weil es kein Thema war?
Julia: Also ja, es sind Anfragen gekommen, auch auf unterschiedlichen Wegen.
Julia: Es gab auf jeden Fall Interesse, in Wilding zu investieren oder auch das zu
Julia: übernehmen. Das war für uns einfach nie ein Thema.
Julia: Ich habe das immer gesagt, ja, danke und wir melden uns und ich habe irgendwo die Listen, aber genau.
Andy: Du hast dich nie zurückgemeldet, gab es bisher auch keinen Grund dazu.
Julia: Nee, genau. Also ehrlich gesagt gab es da zwei Dinge.
Julia: Das eine ist, ich habe unglaublich Spaß an dieser Arbeit.
Julia: Das war das eine, also wirklich aus einem sehr persönlichen Blick drauf,
Julia: was soll ich denn dann machen, wenn wir das nicht mehr machen dürfen.
Julia: Und ich hatte auch irgendwo Schiss davor, dass uns das verändert.
Julia: Also ich glaube, wenn es um kleinere Summen geht, okay, dann weißt du irgendwie,
Julia: ja, okay, das ist dann irgendwie ganz nett, aber dann ist auch schnell wieder
Julia: irgendwie weg oder in irgendwas investiert.
Julia: Aber das waren dann zum Teil so horrend hohe Summen, dass ich gedacht habe,
Julia: das katapultiert dich in eine andere Realität.
Julia: Ich glaube, die will ich gar nicht für uns und auch nicht für unsere Kinder.
Andy: Das interessiert mich später noch ein bisschen, wie ihr das sowieso einbindet,
Andy: das ganze Familienbusiness sozusagen oder das zusammenbringt.
Andy: Jetzt haben wir über Community schon gesprochen und kam ein bisschen was raus.
Andy: Habt ihr das richtig messen können? Also wenn jemand euch weiterempfiehlt,
Andy: wenn ich jetzt einen Schuh gekauft habe und ich habe den weiterempfohlen,
Andy: habe ich da selber auch einen Bonus irgendwie bekommen oder haben die Leute
Andy: das einfach alles so gemacht?
Julia: Genau, wir haben das nie inzentiviert in irgendeiner Form. Das war immer intrinsisch
Julia: und ich glaube, das ist auch die reinste Form der Weiterempfehlung und auch
Julia: die sinnvollste, weil das wirklich eine ehrliche, ernsthafte Art der Weiterempfehlung ist.
Julia: Das Problem ist, wir haben uns halt, also wir haben schon auch andere Dinge
Julia: gemacht. Wir haben sehr früh Influencer-Kooperationen gemacht.
Julia: Also ganz am Anfang waren das Blogger, dann waren es irgendwann auch Facebook-Sachen.
Julia: Und dann kam irgendwann Instagram dazu.
Julia: Das haben wir immer gemacht, am Anfang rein gegen Produkt und dann irgendwann
Julia: natürlich auch gegen Bezahlung. und,
Julia: Wir hatten immer PR, aber ansonsten haben wir eigentlich keine bezahlte Werbung
Julia: gemacht. Also wir haben sehr viel...
Andy: Keine Performance, okay. Nichts.
Julia: Interessant. Also nichts und dann irgendwann sehr, sehr wenig auf einem sehr, sehr geringen Niveau.
Julia: Und das hat uns tatsächlich richtig gekostet in dem Moment, wo dann die Pandemie gekommen ist.
Julia: Weil in der Pandemie, wenn sich Menschen nicht treffen, sie auch natürlich relativ
Julia: wenig anderen Menschen über ihre tollen Schuhe erzählen.
Julia: Das hat uns richtig eine Wachstumsbremse reingehauen.
Julia: Wir haben auch eine Weile gebraucht, das überhaupt zu verstehen,
Julia: warum jetzt gerade irgendwie das ganze Ding hier langsamer wird.
Andy: Das heißt aber, während Corona sind ganz viele E-Commerce-Firmen explodiert, auch so groß geworden.
Andy: Also teilweise haben die so viele Umsätze gemacht, das haben sie heute nicht
Andy: wieder erreicht, das Niveau.
Andy: Und bei euch ist es dann nicht passiert. Und du denkst, das war,
Andy: weil die weitere Empfehlung gefehlt. Das ist ja auch krass, okay?
Julia: Ja, also bei uns ist die Wachstumskurve deutlich, deutlich, deutlich eingegangen.
Julia: Also von diesem exponentiellen Wachstum eben in ein sehr überschaubares Wachstum.
Julia: Und ja, also man konnte es richtig sehen.
Julia: Also da ist richtig eine Bremse reingekommen. und also hätten wir uns da zu
Julia: dem Zeitpunkt dann sehr, hätten wir das sehr schnell gerafft und uns irgendwie
Julia: um Werbung bemüht, um Performance,
Julia: hätten wir, glaube ich, da auch noch Jahre mitnehmen können,
Julia: in denen Performance auch noch richtig gut funktioniert hat.
Julia: Haben wir nicht gemacht.
Andy: Und heute ist es teuer.
Julia: Heute ist es sehr teuer, genau. Und also das ist auch was, wo ich mich echt,
Julia: also da habe ich dem Unternehmen enormen Weg gestanden, weil ich das einfach nicht machen wollte.
Julia: So, ich wollte Meta und Google jetzt nicht irgendwie das dicke Geld rüberschieben
Julia: Und wir haben auch, also wir haben sehr viel Geld für andere Dinge ausgegeben.
Julia: Wir haben ja sehr viel im Nachhaltigkeitsbereich gemacht, sehr tolle Partnerschaften
Julia: aufgebaut, sehr viel Transparenz in die Lieferketten gebracht,
Julia: sehr viel auch mit dem Team und also an Teamkultur gearbeitet.
Julia: Das heißt, also das Geld fand ich da auch sinnvoller investiert, muss ich sagen.
Julia: Aber das hat Wildling enorm geschadet.
Andy: Hast du dann jetzt heute, oder was hast du daraus gelernt oder was macht ihr
Andy: heute anders? Also du hast jetzt angesprochen, ihr macht Influencer.
Andy: Instagram habe ich gesehen, ist auch 256.000 Follower, glaube ich.
Andy: Auf TikTok macht ihr irgendwie gar nichts. Ist das eine bewusste Entscheidung?
Andy: Da gibt es ja auch einen Haufen Influencer, aber sind die jetzt das Publikum,
Andy: die eure Schuhe kauft, dann eher auf Instagram?
Julia: Ja, genau. Also wir sind schon auf den Kanälen vor allen Dingen aktiv,
Julia: wo jetzt so Kern unserer Zielgruppe auch aktiv ist, aber auch das muss man immer,
Julia: also da muss man mit dem Finger am Puls bleiben,
Julia: und es ist sicherlich sinnvoll, TikTok zu machen, wir haben uns da,
Julia: also so ist es, wir haben enorm gerödelt irgendwie in den letzten Jahren,
Julia: wir haben sehr, sehr, sehr viel umgestrickt, sehr viel verändert,
Julia: wir haben sehr viele Menschen auch gehen lassen, also auch das ist natürlich immer ein großer,
Julia: Einschnitt und eine Krise, aus der man sich erstmal wieder raus bewegen muss,
Julia: und ja, also man muss Man muss einfach die Augen offen halten weiter.
Julia: Also man darf da auch nicht sich von einem Erfolg oder von dem,
Julia: was gestern funktioniert hat, leiten lassen.
Julia: Das wird auch morgen funktionieren. Das ist auf jeden Fall ein wichtiger Erkenntnis.
Julia: Plus, es ist einfach schwieriger geworden insgesamt.
Julia: Also der ganze Markt ist schwieriger geworden. Du hast ja eben gesagt,
Julia: wir haben die Nische quasi mit aufgebaut.
Julia: Auch das war, wenn wir Aufklärungsarbeit gemacht haben in der Nische,
Julia: sind die Leute hinterher trotzdem auch zu uns gekommen.
Julia: So viel Auswahl gab es ja gar nicht. Nach wie vor sehr, sehr konsequent nur im D2C.
Julia: Das heißt, es gibt es im eigenen Online-Shop und noch in einem kleinen Laden
Julia: in Engelskirchen und ansonsten,
Julia: Wir sind nicht bei Amazon, wir sind nicht auf den großen Plattformen,
Julia: wir sind nicht im Laden, wir sind nicht im Handel.
Julia: Das heißt, es gibt uns eigentlich nur in unserem eigenen Webshop.
Andy: Warum?
Julia: Ja, gute Frage. Also ja, wir sind von Anfang an nicht in den Handel gegangen,
Julia: eigentlich gar nicht so sehr bewusst, sondern einmal, weil wir gar keine Produkte hatten.
Julia: Wir waren halt immer ausverkauft, deswegen konnten wir das gar nicht tun.
Julia: Und wir sind, wir haben ein sehr, sehr hochwertiges Produkt,
Julia: also ein sehr, sehr teures Produkt.
Julia: Die Materialien sind unglaublich teuer, die Herstellung ist sehr kompliziert,
Julia: also so schlicht das Design auch ist oder so wenig da dran ist,
Julia: aufwendig mit diesen Materialien zu arbeiten und mit dem Design zu arbeiten.
Julia: Das heißt, wir hatten immer relativ hohe Produktkosten und damit wäre jetzt,
Julia: also hätten wir dieses Produkt zu dem Preis gar nicht anbieten können,
Julia: wenn wir quasi auch noch eine Handelsmarge hätten einpreisen.
Julia: Müssen. Das heißt, es war auch immer eine Hürde, die da im Weg gestanden hat.
Julia: Und so Entscheidungen wie jetzt nicht zu Amazon zu gehen, das hatte schon auch
Julia: ethische Gründe. Also, was wir gesagt haben, das ist für uns eigentlich nicht das richtige Umfeld.
Julia: Und plus, also du musst halt immer schauen, also ich glaube,
Julia: das sind dann so eine Erweiterung deines Vertriebsumfelds ist natürlich immer
Julia: sehr, sind große Gelegenheiten und gleichzeitig ist es auch,
Julia: Was damit einhergeht an Prozessen, die du umstrukturieren musst und so,
Julia: das sind dann schon große Aufgaben, große Herausforderungen, die dahinterstehen.
Andy: Ich habe mit dem Johannes von Duschbrocken mal über Amazon hin und her diskutiert
Andy: und da hat er am Ende gesagt, wir müssen es irgendwie schon da machen,
Andy: weil sonst, ich habe jetzt gerade nebenher auch mal geschaut,
Andy: wenn ich jetzt bei Amazon nach Wildling suche,
Andy: dann besetzt halt jemand anders das Keyword, sage ich jetzt mal.
Andy: Und das wollte er vermeiden und ich glaube, sie haben das damals so gemacht,
Andy: ich bin mir jetzt aber nicht sicher, ob es heute noch so machen,
Andy: sie haben es halt einen Euro teurer auch verkauft, den Duschbrocken selber und
Andy: das wäre bei euch das natürlich dann
Andy: eine höhere Summe, damit die Leute zwar bei Amazon bestellen können,
Andy: aber im Endeffekt dann früher oder später sind die halt in einen eigenen Shop rübergekommen.
Andy: Jetzt kannst du bei Amazon ja auch Werbung schalten oder auch auf Keywords optimieren,
Andy: finde ich das interessant, also wenn ich jetzt nach eurem Namen das suche,
Andy: dann werden mir halt andere Schuhe vorgeschlagen, ist das nicht eine Gefahr,
Julia: Natürlich. Also wir haben unglaublich viel Umsatz an Wettbewerber verloren in den letzten Jahren.
Julia: Durch unsere Sturheit an der einen oder anderen Stelle, durch unseren Unwillen,
Julia: uns mit bestimmten Dingen zu beschäftigen, den Unwillen, Geld für etwas auszugeben,
Julia: wo wir denken, das haben wir uns eigentlich erarbeitet, das gehört uns eigentlich.
Julia: Also auch sowas wie jetzt Google zu bezahlen, dafür, wenn jemand Wildling reinschreibt,
Julia: dass wir dann der Brand schalten, wo ich immer gedacht habe, ey, was soll der Scheiß?
Julia: Die Leute wollen doch zu uns, die finden schon zu uns.
Andy: Hat jemand anders sozusagen auf Wildling in Google geboten und sozusagen euch
Andy: dann auch den Traffic weggenommen?
Julia: Ja klar, natürlich. Also dann gibt es eben viele Marken, die auch viel kopiert
Julia: haben von uns, also auch bis heute noch tun, auch relativ schamlos tun.
Julia: Das ist ja auch, also ich meine, so letztendlich, es ist ein Markt,
Julia: es ist ein Wettbewerb, viele Dinge sind erlaubt.
Julia: Ich denke, wir müssen dann halt immer einen Schritt weiter sein und wir müssen
Julia: uns natürlich auch darum kümmern, eben auf diesem Spielfeld mitzuspielen.
Julia: Und das war auch eine schmerzhafte Entscheidung, weil ich, wie gesagt,
Julia: ich glaube, Geld kann man sehr, sehr,
Julia: sehr sinnvoll investieren und eben wirtschaftlich sinnvoll investieren.
Julia: Und wir sind jetzt gerade, da mussten wir uns entscheiden, das auch wirtschaftlich
Julia: sinnvoll zu investieren und nicht nur gesellschaftlich sinnvoll.
Andy: Ja, verstehe. Also noch eine Frage zu dem Kaufverhalten.
Andy: Wenn du jetzt zufrieden bist als Eltern und die Kinder zufrieden sind,
Andy: dann nimmst du ja wahrscheinlich jedes Jahr oder weiß nicht,
Andy: bei meinen Jungs, wir brauchen glaube ich gefühlt gerade zwei Größen im Jahr,
Andy: dann bestellst du ja immer wieder. Ist das ein Effekt, den wir auch sehen können?
Andy: Bestellt jemand dann zehn Paar Schuhe auf der Zeit bei euch?
Julia: Ja, also wir haben sehr, sehr hohe Retention Rates. Und das Kaufverhalten ist
Julia: anders, wenn du für Kinder einkaufst, als wenn du nur für Erwachsene einkaufst.
Julia: Also da sind schon deutliche Unterschiede.
Julia: Also jetzt vor allen Dingen in der Regelmäßigkeit. Eltern, jetzt Bestandskundschaft,
Julia: die Kinder hat, die kauft zu einem sehr klassischen Zeitpunkt jeweils immer das nächste Paar.
Julia: Während die Leute, die nur für Erwachsene kaufen, anders einkaufen.
Julia: Also die kaufen dann, weil sie Bock haben, weil es irgendwie ein schönes Paar
Julia: ist, weil sie nochmal was Neues brauchen. Schon auch, weil eine Saison irgendwie
Julia: startet, aber das ist eine andere Art von Einkauf.
Julia: Aber grundsätzlich sind unsere Wiederkaufsraten sehr hoch.
Julia: Und das macht das Ganze auch profitabel.
Andy: Okay, und wie bespielt ihr die? Habt ihr eine Newsletter, sodass die sich immer
Andy: wieder daran erinnern an euch?
Andy: Also wirklich dann vielleicht auch eine Erinnerung, hey, du müsstest jetzt mal wieder kaufen.
Andy: Die Kinder sind in die Kinder nicht gewachsen sozusagen.
Andy: Kann man damit überzeugen und konvertiert sowas?
Julia: Ja, auf jeden Fall. Also wir haben CRM, dazu gehört der Newsletter.
Julia: Dazu gehören auch andere Kanäle. und da testen wir auch noch eine Menge,
Julia: weil auch da, wir wollen jetzt auch nicht sehr pushy sein.
Julia: Und gleichzeitig musst du eben da auch schauen, was macht denn der Wettbewerb?
Julia: Wie stellen die sich auf?
Julia: Viele von unseren Wettbewerbern haben fast in jedem Newsletter irgendeine Art von Rabattcode.
Julia: Man wird auch ein bisschen gezwungen, sich zumindest mit Praktiken auseinanderzusetzen,
Julia: von denen ich jetzt so grob gesagt hätte, das möchte ich nicht.
Julia: Wenn die Leute Bock haben, dann werden sie schon einkaufen, dann müssen sie
Julia: jetzt nicht irgendwie dazu dahin kitzeln, so animieren.
Julia: Aber ja, also das ist auf jeden Fall, also ich meine, man kann,
Julia: also die Best Practices im Ecom-Bereich, die sind ja, die sind sehr klar.
Julia: Kann man sich überall abschauen, kann man von vielen lernen,
Julia: das sind sehr klassische Dinge, die man da machen kann.
Julia: Und es ist schon so bei uns, dass wir an vielen Stellen halt überlegen,
Julia: aber ist das Bildding. Wollen wir das so machen?
Julia: Müssen wir das ein bisschen für uns anpassen? Müssen wir das sehr stark für
Julia: uns anpassen? Und das macht es aufwendiger.
Julia: Das macht es schon aufwendiger und gleichzeitig, glaube ich,
Julia: ist unsere Kundschaft jetzt auch eine, die das zumindest auch schätzt,
Julia: dass wir jetzt nicht zu werblich unterwegs sind die ganze Zeit.
Andy: Also keine Black Friday Deals und keine Black Week Woche oder muss man das mittlerweile machen?
Julia: Schön wäre es. Das haben wir super lange nicht gemacht. Machen wir jetzt seit
Julia: zwei Jahren und es ist dann tatsächlich so, das ist also ein,
Julia: Ja, dass du da auch so viele neue Leute erreichst, dass das eigentlich was ist, was wir machen müssen.
Andy: Okay.
Julia: Ja, also wie gesagt, man wird so in allen Ecken und Enden Stück für Stück damit
Julia: reingezogen und reingeschubst und wehrt sich noch so ein bisschen.
Julia: Und der Kampf ist eigentlich schon verloren.
Julia: Und gleichzeitig ist es eben auch, also ich meine, wenn wir darüber neue Leute
Julia: bekommen können, für die das jetzt ein spannender Einstieg ist,
Julia: weil das erste Paar, man weiß ja noch nicht, und das ist nicht so teuer,
Julia: jetzt probiere ich das mal aus. Wenn die danach total happy sind und immer wiederkommen,
Julia: ist das für uns ja auch super.
Julia: Aber ich glaube, die Gefahr ist so ein bisschen, und ich glaube, da drängt es halt hin,
Julia: dass du dich immer weiter überbietest mit Kosten, die du bereit bist,
Julia: oder mit Budgets, die du bereit bist, Verwerbung in die Hand zu nehmen und dass
Julia: du dich immer weiter unterbietest mit einem Preis für die Schuhe oder einem
Julia: Rabatt, den du gewillt bist, zu geben.
Julia: Und das, was dann hinterher leiden muss, ist die Qualität des Produktes.
Julia: Und da ziehen wir einfach die Linie und sagen, unser Produkt hat eine Qualität
Julia: und die ist auch was wert und darunter möchten wir auch nicht fallen.
Julia: Wir fangen jetzt nicht an, unsere Schuhe billiger zu machen,
Julia: damit wir dieses Spiel besser spielen können.
Julia: Und da muss man halt wirklich, also ich glaube, da muss man einfach aufpassen
Julia: in diesem Markt, dass man bestehen kann, auch wenn dieses Spielfeld mittlerweile hart umkämpft ist.
Andy: Ja gut, wahrscheinlich gibt es mittlerweile auch von jeder, ich will das jetzt
Andy: nicht nennen, aber Amazon gibt es natürlich eigene Brands, die sowas machen
Andy: wie ihr, aber es gibt dann wahrscheinlich das gleiche von Decathlon oder von anderen Firmen,
Andy: dass die da reindrücken in den Markt, wenn die sehen, hey, da hat jemand ein
Andy: cooles Produkt, da müssen wir auch rein.
Andy: Verstehe ich schon, ist dann auch sehr hart umkämpft, dann auch im ganzen Marketingumfeld.
Andy: Gibt es irgendwelche Dinge, die ihr noch besonders macht?
Andy: Also im Marketing, wir haben jetzt ein bisschen so darüber gesprochen,
Andy: wir haben Instagram, Influencer, CRM, fällt dir irgendwas noch ein, was...
Julia: Das ist alles erstmal nichts Besonderes. Also wir machen so relativ klassische Sachen.
Julia: Wir versuchen immer wieder und jetzt auch nochmal sehr gezielt wirklich Budget
Julia: zu nehmen aus dem Paid, aus dem Performance-Bereich und das an anderer Stelle einzusetzen.
Julia: Also wirklich Kultur zu finanzieren zum Beispiel und zu schauen,
Julia: kriegen wir darüber trotzdem eine gewisse Sichtbarkeit?
Julia: Können wir darüber Menschen erreichen und damit eben das Geld da einsetzen,
Julia: wo es auch Gutes schafft und Menschen verbindet und Kultur finanziert?
Julia: Also da testen wir relativ viel und das, was funktioniert, das wird dann auch direkt skaliert.
Julia: So war ich natürlich gerne, dass das gesamte Budget da eigentlich woanders hinschieben würde.
Julia: Genau, da bin ich mal gespannt. Da haben wir ein paar sehr spannende Sachen,
Julia: die auch dieses Jahr noch passieren.
Julia: Dinge, die wir das erst mal ausprobieren. Ich kann jetzt gerade dazu noch nicht
Julia: viel sagen, aber genau, einfach tolle Kollaborationen mit KünstlerInnen.
Andy: Okay, aber hast du ein Beispiel, was in der Vergangenheit gut funktioniert hat
Andy: für Kultur? habt ihr? Sind es dann besondere Events, Festivals, Dinge für Kinder?
Andy: Oder sind es dann so kleinere Dinge einfach?
Julia: Ja, es sind tatsächlich relativ neue Sachen, die wir gerade ausprobieren.
Julia: Wir haben in der Vergangenheit auch schon Events mal gesponsert oder Künstlerkooperationen gemacht.
Julia: Ich glaube, dass wir die damals nicht gut vermarktet haben, also dass wir da
Julia: auf die falschen Dinge geachtet haben.
Julia: Da bin ich jetzt mal gespannt, ob wir bessere Wege gefunden haben,
Julia: das dann hinterher eben auch zu multiplizieren oder daraus eine andere Reichweite zu ziehen.
Julia: Und ich glaube auch so langsam, also ich glaube, es ändert sich auch wieder
Julia: ein bisschen was in der Gesellschaft. Ich glaube, das ist eben auch total spannend.
Julia: So wie verhält sich eigentlich der Markt, wie verhält sich das Umfeld?
Julia: Welchen Impact haben diese multiplen Krisen, mit denen wir konfrontiert sind?
Julia: So wie sehr war die Pandemie tatsächlich einschneidend auch auf einer verhaltensverändernden Ebene?
Julia: Ich glaube, da hat sich schon echt enorm viel verändert in dieser Zeit.
Julia: Und ich bin mal gespannt, für so ein paar Dinge kommen auch wieder zurück oder
Julia: werden nochmal wieder sehr geschätzt.
Julia: Also dieses Dinge erleben, wieder was fühlen, miteinander in Kontakt zu kommen.
Julia: Ich glaube, das baut sich gerade wieder ganz gut auf.
Andy: Du hast es vorhin schon ein bisschen angesprochen, eine größere Restrukturierung gemacht.
Andy: Ich glaube, Anfang letzten Jahres war das, wo ihr eine größere Anzahl von Headcounts getrennt habt.
Andy: Was genau, du hast ein bisschen angesprochen, dass ihr da euch ein bisschen
Andy: verschätzt habt an ein paar Punkten und dann hast du aber trotzdem so einen
Andy: großen Schnitt machen müssen oder habt ihr,
Andy: kannst du ein bisschen erzählen, wann ist der Entschluss in dir gereift,
Andy: wie lange hat das so gedauert und wie hart war es dann tatsächlich, das zu machen?
Julia: Also ein bisschen ausschlaggebend dafür war das, was ich eben angesprochen habe.
Julia: Wir hatten ein sehr krasses Wachstum über viele Jahre und dann kam die Pandemie
Julia: Und dann kam wirklich so eine Wachstumsbremse bei uns.
Julia: Und wir haben das nicht antizipiert, natürlich irgendwie.
Julia: Und wir haben dann aber auch relativ lange gebraucht, um das wirklich zu verstehen,
Julia: was da eigentlich gerade passiert.
Julia: Das heißt, wir haben noch relativ lange in diese jetzt sich abflachende Wachstumskurve
Julia: hinein Menschen eingestellt für ein Wachstum, was dann nicht gekommen ist.
Julia: Das heißt, wir waren sogar mal knapp unter 300 Personen. Also es waren wirklich viele.
Julia: Genau. Und ich glaube, das Erste, was passieren musste, war so ein Mindset-Shift.
Julia: Also weg von, okay, wir schmeißen jedes Problem irgendwie mit einer Person zu.
Julia: Hier hakt es gerade, wir brauchen auf jeden Fall noch eine Person.
Julia: Das musst du auch erstmal wirklich in die Organisation verankert bekommen und
Julia: dann eben doch den weiteren Schritt zu gehen, zu sagen, hey,
Julia: so das Wachstum stellt sich jetzt auch nicht wieder ein gerade.
Julia: Wir müssen jetzt nicht nur pausieren mit dem Einstellen, sondern wir müssen
Julia: tatsächlich Menschen reduzieren.
Julia: Und wir hatten eigentlich, also wir haben tatsächlich zwei Entlassungsrunden gehabt.
Julia: Und zwar Anfang 23 und dann nochmal Anfang 25, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
Julia: Und eigentlich stand der Plan für ein deutlich kleineres Team schon dann in
Julia: dieser 23er-Entlassung.
Julia: Also wir hatten da eigentlich schon auf dem Papier genau dieselbe Organisation
Julia: gemalt, die wir heute auch haben,
Julia: und haben uns dann aber nicht so richtig getraut, so radikal ranzugehen.
Julia: Und das wären damals auch wirklich sehr viele Menschen gewesen.
Julia: Und dennoch, also wir haben dann erstmal 40 Personen entlassen, was viel zu wenig war.
Julia: Mit allem Schmerz, der mit sowas dann einhergeht und auch die ganze Organisation beschäftigt.
Julia: Das war tatsächlich in unserer Kultur auch so gut wie undenkbar.
Julia: Wir hatten noch nie im Prinzip jemand entlassen, so richtig.
Julia: Und genau, das erstmal zu verkraften, das war sehr, sehr schwierig für die Organisation.
Julia: Und das war dann eben doppelt dumm, weil das eigentlich nicht mal genügend Leute waren.
Julia: Das heißt, du musst relativ viele Menschen durch diese Trauerkurve irgendwie
Julia: durch begleiten, dann relativ viele Menschen versuchen wieder on track zu bringen
Julia: und dann kommt quasi dann ja später nochmal die.
Julia: Und genau, wir haben dann in der zweiten Runde sind wir tatsächlich auf dieses
Julia: etwas radikalere Bild einer kleineren Organisation von 80 Personen runtergegangen,
Julia: was in sich total sinnvoll ist, was genau auch unserer Umsatzgröße dann entspricht.
Julia: Das hätten wir eigentlich viel früher machen müssen.
Julia: Und das ist jetzt auch, also das ist dann jetzt erstaunlich schnell,
Julia: haben wir uns da auch gefangen.
Julia: Also das ist schon dann auch spannend, wie lang das gedauert hat im ersten Schritt,
Julia: obwohl es viel weniger Leute waren und wie gut es dann jetzt doch im zweiten
Julia: Schritt geklappt hat, das auch, also uns dann nochmal wieder zusammenzufinden.
Andy: Und das heißt, könntest du in die Vergangenheit zurückreisen,
Andy: würdest du dir selber empfehlen, gleich den harten Cut im ersten Schritt zu machen,
Andy: weil es kulturell einfacher ist, weil man dieses Tal dann nur einmal durchlebt
Andy: als Organisation und nicht zweimal, war das ein Problem.
Julia: Auf jeden Fall. Und das ist ja auch so eine Weisheit, die eigentlich bekannt ist.
Julia: Also bloß keine Salamitechnik irgendwie, wenn du Leute reduzierst,
Julia: schneid nicht ein paar Mal ein bisschen, sondern mach einmal einen harten Cut.
Julia: Das wusste ich auch. Also ich hatte das auch die ganze Zeit im Hinterkopf.
Julia: Und es hat sich aber doch bei diesem ersten Mal dann in der Art und Weise,
Julia: wie wir das gemacht haben, auch mit relativ viel Rücksprache mit den Teams und
Julia: mit den Leuten, da hätten wir sehr viel mehr einfach top-down vorgeben müssen, Punkt.
Julia: Also in diesem Dialog sind dann alle Grenzen irgendwie verwässert worden.
Julia: Und es ist auch schwer vorstellbar, wenn du 30 Leute im Marketing hast,
Julia: stell dir mal vor, du machst das jetzt mit acht, das kannst du dir in dem Moment nicht vorstellen.
Julia: Fühlt sich an wie ein unglaubliches Risiko und das ist letztendlich,
Julia: verbringt so eine große Organisation natürlich auch viel Zeit damit,
Julia: sich selbst zu verwalten und Informationen hin und her.
Julia: Also du sparst auch unglaublich viel und also letztendlich ist es tatsächlich
Julia: so, dass wir heute mit 80 Personen die gleiche Leistung erbringen,
Julia: wenn du jetzt rein Unternehmensleistung, betriebswirtschaftliche Kennzahlen
Julia: schaust, wie das Unternehmen mit 260.
Andy: Ja, verrückt.
Julia: Das ist schon krass, ne? Ja, ja. Und wir machen noch gar nicht so viel mit KI.
Julia: Das ist jetzt meine nächste Frage.
Andy: Okay, da kannst du dann auch nochmal was rausholen an Effizienz. Okay.
Andy: Okay, und gerade in den USA gibt es ja relativ regelmäßig Layoffs aktuell wegen
Andy: KI und dann funktioniert es ja so,
Andy: dass die Menschen manchmal direkt den Zugriff auf ihr Firmenkonto verlieren
Andy: und am nächsten Tag haben sie erst eine E-Mail dazu in ihrem privaten Posteingang,
Andy: weil es halt eben dort ein bisschen schneller geht wie jetzt bei uns.
Andy: Aber wie habt ihr das gemacht?
Andy: Also hast du da so ein All-Hands gemacht? Ihr seid ja auch Remote First,
Andy: da sprechen wir auch gleich noch kurz drüber.
Andy: Und das alles erklärt? Habt ihr erstmal die Betroffenen informiert oder wie
Andy: macht man das in so einer großen Organisation?
Andy: Das ist ja wahrscheinlich schwer, da niemanden zu verletzen.
Andy: Aber wie hast du es gemacht?
Julia: Genau, also das waren schon relativ große Projekte, die wir dann vorbereitet haben.
Julia: Auch da, also ob du dann hinter 40 oder 120 Menschen entlässt,
Julia: die Vorbereitung ist genau dieselbe.
Julia: Und die Durchführung im Prinzip auch.
Julia: Wir haben schon lange überlegt in unserer Kultur, ob wir das transparenter machen können.
Julia: Also ob wir Menschen wirklich früher mitnehmen, weil das in der Regel für die
Julia: Person dann erstmal besser erscheint. und gleichzeitig,
Julia: Bei so einer Menge von Leuten ist das einfach ein unglaubliches Risiko.
Julia: Und wir hatten auch Menschen, die gesagt haben, ich habe das schon mal erlebt,
Julia: dass um ihm Raum gestanden hat, in drei Monaten passiert das und das.
Julia: Und diese drei Monate sind dann auch der Horror.
Julia: Und ich glaube, was ich irgendwie lernen musste, war, das ist einfach kein schöner Moment.
Julia: Also es ist so wie wenn eine Beziehung, also eine Beziehung kann man,
Julia: man kann das fair und anständig beenden, ja, also das war definitiv auch immer das Ziel.
Julia: Aber es ist trotzdem nie schön oder, also es ist kein schöner Moment Für keine der beiden Seiten.
Julia: Und das ist wichtig, das auch einfach zu akzeptieren, dass das so ist.
Julia: Wir haben im Prinzip immer versucht, die Leute mit, also erstmal die Teamleitung
Julia: mitzunehmen natürlich, weil die ja auch in diesen ganzen Prozess mit involviert
Julia: sind und auch Gespräche führen müssen etc.
Julia: Das war immer der erste Schritt. Da wussten wir aber auch in der Regel,
Julia: wir können uns auf die Leute verlassen.
Julia: Und dann war die Verkündung an die Menschen, die es dann betrifft,
Julia: beziehungsweise an die gesamte Organisation, das ist halt remote auch nicht
Julia: ganz einfach zu managen.
Julia: Und da musst du dir dann schon sehr genau überlegen, wann spricht wer mit wem.
Julia: Und wir haben immer die Leute, die betroffen sind, persönlich abgeholt und teilweise
Julia: eben Teams oder restliche Personen, die jetzt nicht persönlich betroffen sind,
Julia: dann in kleinen Gruppen zumindest.
Julia: Das aber schon versucht, das zumindest in einer Teamrunde zu halten,
Julia: sodass Menschen das auch im Rahmen oder in dem Kontext erfahren,
Julia: wo sie sich einigermaßen sicher und wohl fühlen können.
Julia: Und dann hat es ein All-Hands gegeben im Nachgang, in dem wir quasi nochmal
Julia: den ganzen Zusammenhang erklärt haben.
Julia: Und ich glaube, was man vorher nicht weiß, ist, diese Gespräche sind super kurz.
Julia: Also wenn du einer Person erzählst, man nimmt sich da am Anfang,
Julia: also ich habe dann immer eine halbe Stunde eingestellt für so einen Termin.
Julia: Was willst du da viel sagen? Du hast den Kontext, du hast die Nachricht,
Julia: du hast die Botschaft, du hast das, hier sind weitere Infos, melde dich jederzeit.
Julia: So, sind deine Ansprechpartner, lass erst mal sacken, also eigentlich ist es
Julia: so, dieses lass erst mal sacken und danach sprechen wir nochmal,
Julia: also eigentlich ist das kein langes Gespräch und genauso in einem All-Hands,
Julia: also das ist auch, die Leute schneiden in dem Moment gar nicht alles mit,
Julia: also da kommt eine Botschaft, die ist erstmal schockierend,
Julia: dann geht erstmal irgendwie, also dann geht die Kompetenz irgendwie,
Julia: noch irgendwie Sachen mitzuschneiden enorm runter.
Julia: Ja, und dann, und ich glaube das ist auch noch, vielleicht noch ein Tipp für
Julia: Menschen, die das vielleicht auch vor sich haben, Und man darf nicht unterschätzen,
Julia: wie viel Arbeit danach reingeht und auch reingehen sollte, die Menschen,
Julia: die bleiben, aufzufangen, mitzunehmen, abzuholen.
Julia: Also die Menschen, die gehen, die sind erstmal im totalen Fokus und in der Prio,
Julia: dass das gut begleitet wird. Wir haben da zum Glück ganz tolle Menschen auch
Julia: in unserem P&O-Team, die dann sehr, sehr auf Augenhöhe da in alle Gespräche auch mitgegangen sind.
Julia: Da kommen dann natürlich in so einem Moment ganz viele Besonderheiten auf.
Julia: Ja, ich ziehe aber gerade um. Ich habe aber gerade dies, ich habe gerade das.
Julia: Darf ich meinen Computer noch behalten? Darf ich also so, sodass dann die Gespräche geführt werden?
Julia: Wir haben immer sehr großzügige Abfindungen bezahlt, also hatten deswegen auch
Julia: enorm wenig Streit tatsächlich auf der Ebene.
Julia: Ich glaube, wir waren da immer sehr fair, so fair, wie wir eben sein konnten, auch wirtschaftlich.
Julia: Und genau, und dann kommt aber direkt im Nachgang, ist das Team,
Julia: das bleibt im Fokus und muss sehr, sehr gut begleitet werden.
Andy: Habt ihr euch dann getroffen? Also habt ihr einen Retreat gemacht mit den Verbliebenen,
Andy: damit du die Kultur und den Zusammenhalt wieder hinbekommst?
Andy: Habt ihr da irgendwas geplant gehabt?
Julia: Also persönliche Treffen sind immer super wichtig gewesen für uns in unserer Kultur.
Julia: Also wir sind von Anfang an remote gewesen. Wir hatten nie ein Office,
Julia: wir hatten nie ein Headquarter.
Julia: Aber wir hatten eigentlich fast von Anfang an sehr regelmäßige Treffen in Person.
Julia: Und das ist dann irgendwann, als wir immer größer geworden sind und dann auch
Julia: in Zeiten der Pandemie hat das natürlich aufgehört.
Julia: Und das haben wir auch sehr stark gemerkt. Also in dem Moment,
Julia: wo du quasi dieser Remote-Kultur die Zusammenkünfte nimmst, entsteht eine Entfremdung.
Julia: Und das hat einen Moment gedauert, bis wir diese Regelmäßigkeit auch wieder
Julia: einführen konnten von Treffen.
Julia: Und genau, also es ist dann gar nicht so einfach, also nach so einem Schritt
Julia: ist es gar nicht so einfach zu wissen, wann ist der richtige Moment, zusammenzukommen.
Julia: Du kannst es natürlich in Person verkünden, das ist aber auch,
Julia: glaube ich, also wenn dann Leute einfach danach direkt nach Hause gehen können,
Julia: ist das okay, wenn die irgendwo angereist sind und dann im Hotel sind oder irgendwas,
Julia: das machst du auch nicht.
Julia: Und dann ist halt so ein bisschen die Frage, okay, wann ist jetzt der richtige
Julia: Moment, sich zu treffen?
Julia: Wir hatten jetzt im Frühling tatsächlich nochmal eine kleine Umstrukturierung
Julia: von einem Bereich und da hatten wir zwei Wochen später ein Treffen in Person.
Julia: Und das war richtig toll. Also das war wirklich richtig gut.
Julia: Es war dann aber auch eine mittlerweile halt relativ kleine Runde von Menschen,
Julia: die dann da zusammengekommen sind.
Julia: Und wir haben da auch einen sehr tollen Partner in Köln, die uns beraten,
Julia: die unsere Führungskräfte trainieren und die eben unsere Team-Events mittlerweile auch begleiten.
Julia: Und da war eben klar, das ist jetzt passiert, das ist die Situation.
Julia: Wie kommen wir jetzt in einen konstruktiven Austausch miteinander?
Julia: Wie können wir herausfinden, was die Menschen jetzt brauchen,
Julia: aber vor allen Dingen auch, wie sie sich jetzt selber helfen können?
Julia: Ich bin immer ein großer Fan von Menschen, auch zu helfen, sich selbst zu helfen.
Julia: Also sich nicht darum zu kümmern, dass es ihnen irgendwie gut geht,
Julia: weil dann geben die alle Verantwortung ab in eine Richtung und man kommt in
Julia: so ein Kümmern, sondern einfach in ein, okay, was brauchst du und wie kannst
Julia: du jetzt für dich sorgen? Das ist eigentlich die viel spannendere Frage.
Andy: Ist das Remote First by accident entstanden oder war das eine bewusste Entscheidung von euch?
Andy: Weil das war jetzt zu dem Zeitpunkt, wo ihr das gemacht habt,
Andy: vor zehn Jahren oder ein bisschen länger, Da war das jetzt ja noch nicht so normal wie jetzt heute.
Andy: Hast du das irgendwo anders gesehen, gelernt und war das so dein Zielbild oder
Andy: ging es gar nicht anders wegen drei kleinen Kindern?
Julia: Ja genau, also letzteres, das war wie so vieles bei uns, nicht in einem großen
Julia: Masterplan entstanden, sondern es war einfach unsere Lebenssituation.
Julia: Also wir hatten diese drei kleinen Kinder. Unsere kleinste war,
Julia: als wir gegründet haben, glaube ich zwei Jahre alt.
Julia: Und ich habe die noch gestillt, also ich war im Homeoffice.
Julia: Und ich wollte auch gar nicht, also so, wir sind hier auf dem Land,
Julia: hier jetzt ein Büro aufzumachen, hätte es sehr schwierig gemacht,
Julia: hier die geeigneten Menschen zu finden.
Julia: Das heißt, ich hätte eigentlich nach Köln pendeln müssen dann,
Julia: um da ein Büro zu betreiben und da eben Arbeitskräfte zu finden,
Julia: die jetzt passen zu den Aufgaben, die wir haben. und das hätte ich gar nicht gewollt.
Julia: Das wäre für mich echt ein Albtraum gewesen. Also ich hasse Pendeln, genau.
Julia: Deswegen war das gar nicht, also war das auf jeden Fall nicht der Blueprint.
Julia: Und wir haben dann irgendwie gedacht, naja, okay, also die ersten,
Julia: die wir eingestellt haben, waren vor allen Dingen Customer Service,
Julia: so wie gesagt haben, okay, du brauchst, also du brauchst einen Internetzugang
Julia: und einen Computer. Mehr brauchst du eigentlich nicht.
Julia: Ja, der Rest ist dann einfach entstanden und dann merkst du irgendwie,
Julia: mit fünf Leuten, also vor allen Dingen die ersten Leute waren alle Freunde und
Julia: Familie, die bei dem Building gearbeitet haben. Also alle, die nicht schnell
Julia: genug irgendwie sich in Sicherheit bringen konnten, die waren dann einfach eingestellt.
Julia: Und dann ist das natürlich alles noch sehr, sehr vertraut und sehr familiär.
Julia: Und dann kommen Freunde von Freunden und Familie von Familie und dann wird es immer größer.
Julia: Und dann haben wir so langsam angefangen zu merken, okay, wir haben Strukturen,
Julia: die das ganze Konstrukt zusammenhalten und haben dann natürlich immer,
Julia: also wir haben halt die Strukturen so gebaut, dass es für Remote passt.
Julia: Und das hat eigentlich sehr lange sehr gut funktioniert. Ich finde Remote auch
Julia: nach wie vor in dieser Kombi mit, man trifft sich regelmäßig, ist das ideal.
Julia: Aber es braucht eben diese Komponente.
Andy: Das würdest du also, wenn du heute nochmal von vorne anfangen würdest,
Andy: was weiß ich, ein zweites Startup, oder würdest du es nochmal genauso machen? einfach.
Julia: Ich glaube, ja. Also ich glaube, ich würde eventuell mit dem Zusatz,
Julia: dass man gegebenenfalls schaut, dass trotzdem man mehr aus einer Region kommt.
Julia: Also dass die Anreise nochmal einen Ticken einfacher ist.
Julia: Das kommt aber auch darauf an. Also wir haben jetzt zum Beispiel die Situation,
Julia: dass wir in unserem Führungsteam, also unsere Head-offs, die sind mittlerweile
Julia: alle aus einer, mehr oder weniger aus der Region, also aus NRW.
Julia: Wir können uns relativ schnell auch einfach mal treffen. Und das ist schon sehr, sehr, sehr gut.
Julia: Und genau, für das große Team, wir kommen einmal im Quartal zusammen,
Julia: da kann man auch mal eine Anreise in Kauf nehmen. Das ist schon okay.
Julia: Und wir, also zusätzlich wollen wir eben, dass die Teams sich dann auch noch
Julia: mal untereinander treffen zwischendrin.
Julia: Aber genau, vielleicht würde ich da ein bisschen drauf achten,
Julia: dass man zumindest die Runden, die doch sehr eng oder eine sehr hohe Verantwortung
Julia: haben, dass die sich oder sehr viel kreativ zusammenarbeiten.
Julia: Also unser Produktteam zum Beispiel ist komplett aus Köln oder aus der Umgebung.
Julia: Die haben ein Atelier in Köln, die treffen sich da auch regelmäßig.
Julia: Also sowas auf sowas würde ich schon achten, dass das grundsätzlich möglich ist.
Julia: Aber ansonsten, es ist natürlich auch toll, wenn du Menschen aus ganz Deutschland
Julia: anstellen kannst. Du hast im Recruiting...
Julia: Das ist so viel einfacher, glaube ich, für uns als teilweise für Wettbewerber
Julia: oder befreundete Unternehmen.
Andy: Aber sind jetzt alles Menschen dann, die aus Deutschland kommen?
Andy: Du hast jetzt kein international, europäisch, ich arbeite von,
Andy: keine Ahnung, Boazien, Mallorca aus für euch.
Julia: Nee, das haben wir nicht. Also das hatten wir auch eine Weile,
Julia: dass das so angefangen hat, dass die ersten aus Österreich, aus Benelux, hier und da.
Julia: Das macht es sehr, sehr aufwendig in der Personalführung.
Julia: Also auch weil du dann immer mit unterschiedlichen Ländergesetzen zu tun hast
Julia: und Steuergesetzen zu tun hast.
Julia: Also es bringt eine Komplexität rein, die, glaube ich, nur dann Sinn macht,
Julia: wenn es unbedingt notwendig ist, dass eine Person auch woanders sitzt.
Julia: Wir haben eine US-Entity, da ist natürlich die Person, die CEO ist vor Ort. Also das ist klar.
Julia: Also überall da, wo du auch einen Markt lokalisierst, ist es eventuell wichtig,
Julia: dass du auch eine Person vor Ort mit hast.
Julia: Aber genau, also diese Einstellung über die Ländergrenzen hinaus,
Julia: Das ist sehr herausfordernd.
Andy: USA, da haben wir gar nicht drüber gesprochen, über Internationalisierung.
Andy: Dach ist schon der größte Markt, aber ihr verkauft jetzt mittlerweile Europa dann und USA?
Julia: Ja, also wir hatten tatsächlich, also USA waren ganz von Anfang an sehr,
Julia: sehr wichtig für uns. Also in der Crowdfunding-Kampagne war es fast viel.
Andy: Oh, okay.
Julia: Wir hatten auch tatsächlich sehr viele Kontakte aus Nordamerika.
Julia: Also vielleicht auch von Background und wir kamen ja gar nicht von Deutschland
Julia: in dem Moment. Vielleicht hatte das auch was damit zu tun.
Julia: Diese ganze Bewegung hat auch eher in den USA, also war in den USA sehr viel weiter als hier,
Julia: diese Barfußschuh Minimalschuhbewegung genau und wir haben dann aber uns natürlich
Julia: sehr stark auf den Markt hier konzentriert, deswegen ist der auch sehr viel
Julia: stärker gewachsen wir haben hier auch sehr viel Presse, Preise,
Julia: also wir haben da schon auch eine gute Aufmerksamkeit drüber bekommen,
Julia: genau, mittlerweile ist es so dass so 90% Dach und der Rest ist dann Also USA
Julia: ist dann schon der nächstgrößere Markt und dann sind es unterschiedliche Länder, auch aus Europa.
Andy: Okay, jetzt würde mich noch ein bisschen so Familie als Unternehmen oder je
Andy: nachdem, wie du es bezeichnen wirst, interessieren.
Andy: Du führst ja die Firma mit deinem Mann, deinem Vater, wenn ich es richtig recherchiert
Andy: habe, der allein die Recyclingabteilung, deine Schwester fotografiert.
Andy: Und dein Sohn plant jetzt eine eigene Kollektion.
Andy: Wie funktioniert das im Zusammenspiel? Gibt es überhaupt noch eine Trennung
Andy: zwischen Familie und Firma?
Andy: Oder ist es eine bewusste Entscheidung und funktioniert es vielleicht auch deshalb so gut?
Julia: Ja, also ich habe ja mit meinem Mann zusammengegründet.
Julia: Das heißt, für uns war das von Anfang an sehr, sehr eng. Und für die Kinder das gemacht.
Julia: Also die ganze Idee ist aus einer Familiensituation entstanden und ist da auch immer geblieben.
Julia: Das ist auf der einen Seite, finde ich, sehr, sehr schön, mit dem Partner zusammen
Julia: zu gründen, weil bestimmte Themen für uns nie, also so auf dieser Werteebene
Julia: oder warum machen wir das, wo wollen wir damit hin, das war für uns nie Diskussion,
Julia: da waren wir uns sehr, sehr nah.
Julia: Das habe ich bei anderen Gründungsteams schon gesehen, dass das auch eine krasse
Julia: Sprengkraft haben kann.
Julia: Dieses wollen wir eigentlich verkaufen, wollen wir nicht verkaufen,
Julia: wollen wir dies, wollen wir das, wofür machen wir das eigentlich,
Julia: wie wollen wir das angehen, mit welchen Werten kommen wir hier rein.
Julia: Also das heißt, da haben wir, das war ein Riesenvertrauen natürlich auch immer da zwischen uns.
Julia: Und gleichzeitig kann es auch sehr anstrengend sein, wenn einmal immer Firma
Julia: auch Teil des Familienlebens ist,
Julia: gerade wenn es dann, wenn es gerade Pflichte gibt oder so, wenn du das dann
Julia: auch noch immer im Privaten hast oder das dich damit reinzieht,
Julia: dann wird es schon auch sehr anstrengend. Also wir hatten da auch anstrengende Phasen.
Julia: Und gleichzeitig, genau, also für mich ist das sehr schön, dass ich das so,
Julia: dass das auch viel mit Familie zu tun hat, nach wie vor. Ich genieße es sehr.
Julia: Also unser Sohn, der geht jetzt von der Schule tatsächlich, der macht jetzt
Julia: eine Ausbildung bei uns.
Julia: Er schmeißt die Schule, hat er sich erkämpft.
Julia: Und also das ist sehr schön zu sehen, wie er da so reinwächst.
Julia: Es ist, ja, also das auch mit meiner Schwester zusammen, wenn die dann hier
Julia: ist und wir dann irgendein Fotoshooting organisieren mit meinem Vater,
Julia: der dann da sich im Recycling total stark macht.
Julia: Also es ist sehr, sehr schön. Es ist zwischendurch auch einfach anstrengend,
Julia: weil es so selten mal einen Moment gibt, wo man sagt, okay, jetzt ist wirklich
Julia: Wildling gar nicht Teil des Ganzen. Also auch meine Freundschaften sind innerhalb von Wildling.
Julia: Also es gibt für mich eigentlich, ich muss jetzt einen Geburtstag organisieren
Julia: und es kommt da niemand hin, der was mit Wildling zu tun hat,
Julia: dann wäre das ein sehr einsamer Geburtstag.
Andy: Ja, aber ich stelle mir das jetzt gerade schwierig vor und du hast jetzt vorhin
Andy: die Restrukturierung und sowas beschrieben, das nimmst du ja auch immer mit nach Hause.
Andy: Also ist ja wahrscheinlich schwierig, da mal wirklich so einen Cut hinzubekommen.
Andy: Ich kriege das gar nicht. Also kannst du mal ein Wochenende irgendwo hinfahren
Andy: mit deinem Mann und den Kids und ihr macht komplett mal gar nichts zum Thema Firma?
Julia: Also ja, das gibt es mittlerweile auch. Also wir haben uns zum Beispiel eine
Julia: längere Auszeit genommen.
Julia: Ich vergesse immer, wann es war. 25.
Andy: Ist schon ein bisschen her.
Julia: Nee, ist auch gar nicht so lange her. Es war Ende 24, Anfang 25.
Julia: Waren wir sieben Wochen lang in Costa Rica als Familie.
Julia: Unsere große Tochter hat da ein Austauschjahr gemacht.
Julia: Und dann sind wir quasi hingefahren, haben sie abgeholt von ihrer Gastfamilie
Julia: und sind noch zusammen sieben Wochen durch das Land gereist.
Julia: Und das war so ein Moment, wo wir einfach, also ich auch sehr,
Julia: sehr bewusst gesagt habe, so, wir machen jetzt nichts, wir arbeiten nicht,
Julia: wir nehmen uns einfach diese Zeit auch als Familie, bevor die Kinder aus dem Haus sind.
Julia: Und das ist, also da zehre ich jetzt noch von, das war wunderschön und wir schaffen
Julia: es mittlerweile auch, einfach Urlaub zu machen zwischen uns.
Julia: Also das ist eine große Errungenschaft nach vier Jahren, aber wir machen Urlaub.
Andy: Und hast du normale Arbeitszeiten jetzt heute? Also im Vergleich zu jetzt,
Andy: als du die Firma aufgebaut hast, ist das so eine normale 40-Stunden-Woche oder
Andy: ist das sowieso nie drin, wenn man so ein großes Unternehmen führt?
Julia: Ich habe eine wirkliche Routinenallergie. Also ich mag das gar nicht,
Julia: wenn ich sage, ich weiß jetzt, wie nächste Woche meine Woche aussieht und genauso
Julia: sind die Arbeitstage und ich weiß genau, wie der Mittwoch ablaufen wird.
Julia: Also so wird es eh nicht sein.
Julia: Ich mag das sehr, dass es nicht so vorhersehbar ist.
Julia: Und ich weiß auch gar nicht, also mir ist es auch ein bisschen egal,
Julia: was jetzt auf der Uhr steht.
Julia: Ich fange natürlich, also ich liege oft nachts wach und denke darüber nach.
Julia: Ich fange morgens relativ früh an, schon mal mit den ersten Sachen.
Julia: Ich kann dann aber auch gut mal sagen, so und jetzt, weiß ich nicht,
Julia: fahre ich runter und besuche meine Mutter und wir gehen mal spazieren,
Julia: weil das ja auch ein Moment ist.
Julia: Also ich glaube, so in dieser Gründungsrolle brauchst du zwischendurch auch
Julia: Phasen, wo du nicht am Computer sitzt. Ganz klar.
Julia: Da brauchst du, du musst ja irgendwo auch Inspiration herbekommen oder einfach
Julia: mal ein bisschen Leerlauf haben.
Julia: Das sind dann die Momente, in denen die kreativen Ideen entstehen.
Julia: Und ich habe mir mittlerweile ein Setup gebaut, wo das auch gut funktioniert,
Julia: also wo quasi das Tagesgeschäft von anderen Menschen gemanagt wird,
Julia: sodass ich mich sehr auf bestimmte Themen und Rollen fokussieren kann.
Julia: Und also da freue ich mich jetzt auch sehr drauf, weil das ist jetzt was,
Julia: was gerade auch so richtig anläuft, wo ich schon merke, okay,
Julia: da entsteht wieder Luft.
Andy: Das hast du ja während den sechs Costa Rica Wochen auch schon gebraucht.
Andy: Da hat ja auch jemand operativ übernehmen müssen, sonst hätte es ja auch nicht funktioniert.
Julia: Richtig, aber es ist trotzdem noch was anderes, wenn du jetzt für eine sehr
Julia: absehbare Zeit was übergibst und dann das quasi einfach nur verwaltet wird oder
Julia: wenn jemand quasi auch den Alltag mitgestaltet?
Andy: Ja, du, also ich habe jetzt so mitgenommen, ihr seid durch zwei heftige Restrukturierungen
Andy: gelaufen und heute geht es euch aber wieder gut, sage ich jetzt mal,
Andy: auch aufgrund von den Entscheidungen, die ihr getroffen habt.
Andy: Gab es irgendwelche Mentoren, die euch durch diese Phasen eigentlich geholfen
Andy: haben? Ist das sowas, was ihr unter euch dann ausgemacht habt?
Julia: Ja, spannende Frage. Also ich habe am Anfang gerade mich sehr,
Julia: sehr, sehr viel ausgetauscht mit anderen Gründern und Gründerinnen.
Julia: Also das war eigentlich immer die wertvollsten Inputs, die ich bekommen habe,
Julia: waren von anderen Menschen, die eben auch gegründet haben.
Julia: Und dann war ich eine Zeit lang richtig auf der Suche nach, okay,
Julia: woher bekomme ich denn jetzt eigentlich Inputs?
Julia: Weil du so ein bisschen rauswächst aus diesem direkten Gründungsumfeld.
Julia: Du brauchst dann eigentlich Leute, die schon deutlich, also du brauchst ja eigentlich
Julia: immer Leute, die größer sind, damit du von denen eben lernen kannst.
Julia: Und Leute, die dann deutlich größer waren als wir, die hatten dann aber auch
Julia: echt irgendwie wenig Zeit.
Julia: Oder gab es jetzt auch gar nicht so, also das ist jetzt nicht,
Julia: dass wir so riesig sind, aber so viele Unternehmen gibt es dann ja auch nicht,
Julia: die jetzt irgendwie 100 Millionen Umsatz machen oder so, wo du sagen kannst,
Julia: hey, das finde ich jetzt auch nochmal spannend.
Julia: Ich habe sehr viel Kontakte in die USA mittlerweile, Nordamerika,
Julia: weil da einfach diese Unternehmensgröße dann auch, also es ist ein größerer
Julia: Markt, das heißt, du hast dann schneller mal auch jemand, der dir da vielleicht
Julia: ein paar Tipps geben kann.
Julia: Was sehr, sehr, sehr wertvoll gewesen ist für mich jetzt auch in meiner persönlichen
Julia: Entwicklung, war die, also ich habe einen Coach, der, darf ich den Namen sagen? Ja, wahrscheinlich.
Andy: Klar, bestimmt, ja.
Julia: Das ist Philipp von Prudy. Die machen, also habe ich eben auch schon mal gesagt,
Julia: die trainieren auch unsere Führungskräfte.
Julia: Und begleiten uns bei Team-Events, aber er ist eben auch mein persönlicher Coach.
Julia: Und wir tauschen uns schon in einigermaßen Regelmäßigkeit aus.
Julia: Ich gehe dann immer spazieren, er geht dann auch spazieren.
Andy: An telefonieren?
Julia: An telefonieren. Und das war schon enorm wertvoll, um mich jetzt auch durch
Julia: so eine Zeit zu begleiten, zu sagen, okay, was ist jetzt eigentlich meine Rolle?
Julia: Weil in dieser Gründungsrolle...
Julia: Das ändert sich ja unglaublich, was da von einem erwartet wird,
Julia: wenn du jetzt das in der Startphase machst, wenn du 20 Leute hast,
Julia: wenn du 150 Leute hast, wenn du, ne, so wenn, also um meine Rolle zu ändern,
Julia: musste ich auch die ganze Organisation ändern.
Julia: Und da habe ich eine Weile gebraucht, bis ich das verstanden habe und auch verstanden
Julia: habe, was brauche ich denn genau und wie kann ich am meisten Mehrwert leisten
Julia: für die Firma, aber auch so, dass ich daraus wirklich Energie ziehe und das
Julia: wirklich auch nochmal zehn Jahre weitermachen zu können.
Andy: Das war auf jeden Fall aber den Plan auch, das noch zehn Jahre weiterzumachen.
Julia: Ja, also ich mag diese Langfristigkeit. Also ich bin sehr ungeduldig,
Julia: kurzfristig, aber ich mag sehr gerne diese Langfristigkeit.
Julia: Jetzt zu sagen, wir bauen hier etwas auf und das hat Bestand und das hat einen
Julia: Wert. Und das hat auch einen Wert, in dem das lange Bestand hat.
Andy: In Hamburg gibt es ja, glaube ich, ein Startup, was auch kein Startup mehr,
Andy: Zellerfeld, die Druckenschuhe. Kennst du ja wahrscheinlich.
Andy: Ist das was, womit ihr euch heute auch schon beschäftigt? ist.
Andy: Denkst du, es gibt in den nächsten ja, vielleicht gibt es auch eine Kooperation
Andy: mit denen dann mal, dass es einen 3D-gedruckten Schuh rausbringt?
Andy: Geht da die Zukunft hin oder eher nicht für euer Schuh?
Julia: Ja, also es ist auf jeden Fall spannend. Es ist eine sehr billige Produktionsweise.
Julia: Was daran schwierig ist für Wildling, ist so ein bisschen die Materialität.
Julia: Also wir haben ja sehr viele Naturstoffe, sehr hochwertige Stoffe,
Julia: die wir auch auswählen, weil es sich einfach total schön anfühlt und weil du
Julia: da ein tolles Fußklima hast.
Julia: Und deswegen ist für uns so dieser Weg hin zu Vollplastik ist nicht so einfach.
Julia: Aber wir bleiben da auf jeden Fall immer mit einem Auge dran.
Julia: Also das sind schon spannende, neue Möglichkeiten.
Julia: Deswegen, also ich würde es jetzt auch nicht ganz ausschließen.
Andy: Wenn jetzt jemand zuhört, der noch gar keine solche Schuhe hat,
Andy: ich habe auch keine, was würdest du mir zum Einstieg für ein Modell empfehlen?
Julia: Das müssen wir ändern, das werden wir auch ändern.
Julia: Genau, für den Einstieg. Also wir haben unser absoluter Bestseller,
Julia: jetzt kommen noch die schönen Sommermonate, das ist der Tanuki.
Julia: Tanuki ist ein japanisches Wort.
Julia: Das ist ein Schuh, der ist aus japanischem Seidenpapier gemacht.
Julia: Das klingt erstmal sehr instabil.
Julia: Sehr instabil, genau. Ist es aber gar nicht. Also das ist ein sehr,
Julia: sehr, sehr haltbarer Schuh tatsächlich.
Julia: Ein wunderbarer Schuh für den Sommer. Gibt es auch in sehr klassischen Farben.
Julia: Also das ist schon wirklich, ich glaube, das ist der minimalste Schuh, den wir haben.
Julia: Also es ist schon auch dann, hast du mal einmal 100 Prozent das ganze Gefühl.
Julia: Aber es ist wirklich ein Erlebnis. Also das ist schon, ich würde sagen,
Julia: unsere Schuhe sind ein Erlebnis. Und das ist auf jeden Fall ein Schuh,
Julia: der dem sehr, sehr nahe kommt.
Julia: Diesem Erlebnisgefühl der Tanuki.
Andy: Und den bestelle ich mir und dann fange ich aber langsam an.
Andy: Also kann ich nicht gleich eine 20.000-Schritt-Wanderung damit machen.
Andy: Oder muss mein Fuß sich dran gewöhnen?
Julia: Ja, richtig. Also du bist jetzt als Kind geht das alles super schnell.
Julia: Da ist noch nicht viel passiert. Das kann man Kinder ganz, ganz natürlich.
Julia: Für Erwachsene ist es einfach gut, ein bisschen drauf auf deinen Körper zu hören.
Julia: Also unser Körper ist ja da oft der beste Ratgeber.
Julia: Dieses nicht direkt auf eine lange Wanderung, wie du schon sagst,
Julia: nicht direkt anfangen damit zu joggen oder sowas, sondern einfach mal ausprobieren
Julia: gehen, hinhören, hinfühlen.
Julia: Eine sehr schöne Übung ist einfach, die Augen zuzumachen. Vielleicht lässt man
Julia: sich davon jemand kurz mal führen, von ob du deine Schritte hörst.
Julia: Also wenn das so klonk, klonk, klonk macht auf dem Boden, dann hast du ein bisschen Arbeit vor dir.
Julia: Dann einfach ausprobieren, bis du es nicht mehr hörst, weil das,
Julia: was du hörst, ist, wenn du mit der Ferse quasi hart auf den Boden aufkommst.
Julia: Das heißt, es ist schon auch ein bisschen achtsam reinhören,
Julia: zu sagen, okay, was fühlt sich jetzt gut an, wenn man Muskelkater bekommt,
Julia: dann eben vielleicht mal eine kleine Pause machen.
Julia: Aber das ist jetzt alles kein Hexenwerk, also das geht relativ schnell.
Andy: Alles klar. Ich probiere es auf jeden Fall mal aus. Jetzt haben wir doch ein
Andy: bisschen länger gequatscht. Ich danke dir vielmals. Was für eine Reise für euch.
Andy: Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg als Familienunternehmen,
Andy: wie ich es jetzt mal bezeichnen würde.
Andy: Es ist ja eine wahnsinnig coole Geschichte.
Andy: Und ja, weiterhin alles Gute. Vielen Dank, dass du so offen über eure Themen gesprochen hast.
Julia: Danke dir, Andreas. Hat sehr viel Spaß gemacht.
Andy: Danke. Dann mach's gut. Ciao, ciao.
Julia: Ciao.
Andy: Ja, und das war sie auch schon wieder, die Folge 174 von Happy Bootstrapping
Andy: mit der Anna-Jona von Wildling. Wie hat es dir denn gefallen?
Andy: Schreib mir doch gern Feedback oder Fragen zur Folge per Mail oder über LinkedIn.
Andy: Wie immer findest du auch alle Links zur Folge in den Shownotes,
Andy: unter anderem die ZDF-Dokumentation, ihre Schuhempfehlung, den Tanuki und und
Andy: vieles mehr, Links zu den Socials und und und. Genau.
Andy: So, ja, ansonsten suche ich aktuell wieder Werbepartner für den Podcast.
Andy: Wenn du Bock drauf hast, schau mal auf happy-bootstrapping.de slash Werbung vorbei.
Andy: Da sind ein paar Showcases, was wir schon gemacht haben. Da bin ich auch für alles offen.
Andy: Schreib mir gerne, wenn das für dich interessant ist. So, in der nächsten Folge
Andy: habe ich die Katja Lübert zu Gast von MemoVida.
Andy: Und da geht es um die Digitalisierung von Bestattungsunternehmen.
Andy: Wie kann man das, wie Leute zu diesem ja doch eher schwierigen Thema online abholen und gewinnen?
Andy: Haben wir ganz viel darüber gesprochen, wie dann auch das funktioniert mit den
Andy: Standorten. Natürlich gibt es auch ein Venture Capital Case Konkurrenten.
Andy: Haben wir auch ein bisschen darüber gesprochen.
Andy: Dies und mehr dann in der Folge 175 nächste Woche. Wir hören uns.
Andy: Mach's gut bis dahin. Ciao, ciao.
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